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Montag, 4. November 2013

Internationales Essen und Kimono Fashion show

Es war wieder richtig viel los und ich weiss schon gar nicht mehr wie ich das alles erzaehlen soll. Also will ich hier vor allem von den Highlights erzaehlen.
Die University of Aizu feiert in diesem Herbst ihr 20 jaehriges Bestehen. Daher gibt es aktuell allerlei internationale events an der Uni. Bis mitte Dezember gibt es hier in der Mensa der Uni jede Woche andere internationale Gerichte.
Um dafuer auch ordentlich die Werbetrommel zu ruehren hat man im Vorfeld auch ordentlich Werbung gemacht - unter anderem mit einer Verkostung kleiner Kostproben.
Da Anfang Dezember auch eine Woche lang Deutschland das kulturelle Thema sein wird, gibt es dann auch fuer 2 Tage in der Mensa Sauerbraten mit Knoedeln und Rotkraut. Und da es hier an der Uni so eine grosse Anzahl an deutschen Studenten gibt *hust hust* hat man mich natuerlich zur Verkostung eingeladen.
Das deutsche Essen (natuerlich mit Staebchen gegessen...)
Vom Aussehen her sah das schon sehr nach original deutschem Essen aus, geschmacklich hat man aber schon deutlich gemerkt, dass die Koeche wohl noch nie in Deutschland essen waren. Eigentlich ist das Programm auch so gestaltet worden, dass die Rezepte von den (auslaendischen) Ehefrauen von Professoren bereit gestellt wurden. Die einzige Ausnahme von der Regel war Deutschland, da wir nur einen deutschen Professor an der Uni haben, der mit einer Japanerin verheiratet ist. Sie hat sich wirklich Muehe gegeben aber sie ist eben doch keine Deutsche. Trotzdem eine echt tolle Anstrengung zur Voelkerverstaendigung!
das russische Essen, gekocht von der Ehefrau von prof Markov
Bei diesem Event war dann auch ein Fernsehteam des lokalen Fernsehsender von Fukushima in der Mensa und die haben allerlei Interviews gefuehrt. Natuerlich auch mit mir muahaha :-)

Das Video ist leider komplett auf japanisch und auch das Interview mit mir (natuerlich, man wuerde da ja nie was auf Englisch ausstrahlen xD)
Als Auslaender in Japan ist man schon echt ein Superstar ohne irgendwas dafuer zu tun.

Einige Tage spaeter war ich dann mit einigen Frauen von der Uni bei einer Fashion show fuer Kimono Moden - natuerlich als Model. Das war echt total aufregend und ich hatte ein paar Tage davor auch eine kleine Erkaeltung aber ich habe mich rechtzeitig zum Event noch erholen koennen.
Es war eine Veranstaltung vom lokalen Verein zur Erhaltung der Kimono-Tradition in Japan. Hauptsaechlich waren Frauen des mittleren und hoehren Alters Mitglied in dem Verein. Dabei scheint es dort nicht nur darum zu gehen den Kimono zu tragen sondern auch das korrekte Anziehen des Kimonos zu erlernen und bestimmte ausgefallene Techniken zu ueben.
Dadurch waren wir an diesem Tag in gewisser Weise auch nur laufende Kleiderstaender fuer die ausgefallenen Formen der Guertel (auf Japanisch "Obi")
Die vielen Omis und Models
Nach 6 Monaten an einer Informatik-Uni kommt es einem da schon echt komisch vor in so einer grossen Gruppe an Frauen zu stehen. :D Je ein Model hat eine erfahrene Frau aus dem Verein zur Seite gestellt bekommen. Natuerlich wurden uns die Kimonos und selbst die Haarnadeln bereitgestellt. Netterweise hat man uns dann auch eine Bento-box (fuers Mittagessen) kostenlos gegeben. Wie immer hat man uns sehr respektvoll und freundlich behandelt.
Beim Angezogen werden von "meiner Omi"
Ich war wieder total beeindruckt wie froehlich und ausgelassen diese Frauen miteinander umgegangen sind, obwohl die Umgangsformen in Japan oft so steif und formal scheinen.

Es war auch echt toll mit so vielen netten Frauen von meiner Uni unterwegs zu sein. Unter anderem war auch wieder Ying mit dabei, die mittlerweile in ein anderes Lab gewechselt ist.
Ying - wie immer bezaubernd
An solchen Tagen erscheint mir die ganze Arbeit im Buero total surreal und am liebsten wuerde ich gern irgendwo auf dem Land in einem kleinen, alten, japanischen Haus wohnen und Hausfrau werden. Allerdings weiss ich auch genau, dass ich spaetestens nach 2 Wochen vor Langeweile sterben wuerde ;D
internationale Frauen von meiner Uni
Ich muss auch sagen, dass der Kimono zwar schoen aussah aber auch echt etwas unbequem war - fuer so ein paar Stunden kann man das aushalten aber einen ganzen Tag wuerde ich das nicht schaffen. Allerdings mag das auch daran gelegen haben, dass mein Obi (dieser breite silberne Guertel) hinten zu einer komplizierten Form gefaltet wurde, dadurch war das vielleicht auch etwas unbequemer als sonst.
Bei der Fashionshow wurden wir dann in 3er Teams in einer perfekten Ordnung auf die Buehne gerufen und mussten Schildchen mit einer Erklaerung der Form des Obis vorhalten und dann unseren huebschen Ruecken praesentieren.
Mein "Hinterteil"

Als Auslaenderinnen haben wir natuerlich auch bei der Fashion show wieder viel Aufmerksamkeit bekommen. Viele Japaner haben uns danach gesagt wie huebsch wir waren, irgendwie bin ich diese ganzen Komplimente echt nicht gewohnt. :/
Spaeter bei der Show durften wir dann im Publikum zugucken, denn da hat man dann vorgefuehrt wie man frueher die Prinzessinnen und Prinzen angezogen hat. Der Prinz war auch mal wieder wesentlich frueher als die Prinzessin fertig.
Insgesamt hat man der "Prinzessin" an dem Tag etwa 20 Kilogramm Stoff angezogen, allerdings waren frueher eher 30 bis 40 Kilogramm ueblich... und das bei den zierlichen Japanerinnen, die ja selten mehr als 60 Kilo wiegen. Das Maedchen selbst konnte schon am Ende kaum noch laufen, so viele Schichten an Kimonos hatte man ihr angezogen.
Insgesamt war es aber ein echt cooles Event und ich bin froh, dass es sowas in Aizu gibt.

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Universitätsfestival

Direkt am zweiten Wochenende nach Anfang des neuen Semesters gab es an der University of Aizu ein grosses Festival, welches hauptsächlich von den Studenten organisiert wurde. In Deutschland gibt es ja praktisch solche Festivals nicht - zumindest nicht in dieser Form.
Das Festival besteht im Endeffekt aus drei Teilen: Tag der offenen Tür in den Labs(der wissenschaftliche Anteil), Verkaufsstände für Essen und Trinken (fürs leibliche Wohl) und diverse Auftritte und ein Feuerwerk (die Unterhaltung).

Verkaufsstand vom Outdoor club
Ich habe natürlich brav an den Ständen meiner beiden Clubs geholfen auch wenn es mit der Kommunikation mit den Käufern nicht immer geklappt hat. Aber wie immer habe ich mein Bestes gegeben. Es war etwas nervig, wenn Leute mit dem Finger auf mich gezeigt haben und die Kinder an unserem Stand stehen geblieben sind, als wäre ich ein Maskottchen von dem Strand (die es aber sowieso noch extra gab).

Im Hünchenkostüm mit Satou-san dem ex-Captain vom Schwimmclub
Wie immer habe ich völlig auf freiwilliger Basis mitgeholfen. Manchmal ist das echt toll, wenn man so seinen Ausländer-Bonus auch mal nutzen kann und nicht nur die negativen Seiten davon spürt.
Es gab dann auch einige Live-Auftritte von den diversen Bands der Uni und auch von anderen Amateur-Bands aus der näheren Umgebung. Es war dann noch eine halbwegs "berühmte" Band dabei, von der ich vorher natürlich noch nie was gehört habe.
Die Haupttribüne direkt vor der Mensa
Am ersten Tag wars leider sehr regnerisch aber dafür hatten wir am zweiten Tag strahlenden Sonnenschein - nur der Wind war echt etwas krass. Den Stand vom Outdoor-Club hat es fast weg geweht. Die Jungs waren auch viel damit beschäftigt, das Zelt irgendwie zu befestigen. Eine ernsthafte Arbeitsmoral hat man in dem Club wegen der geringen Disziplin aber eher weniger finden können. Dort wurden aber auch nur Getränke und eine traditionelle Süßigkeit aus Okinawa verkauft.
Am Stand vom Schwimm-Club ging das viel strenger und besser organisiert zu. Allerdings durfte ich unabhängig von meinem Rang (als Master-Student, muss man da ja nicht wirklich arbeiten) alles mal ausprobieren.
Zutaten für Ramen (-Suppe)(super beliebte chinesische Nudeln)
Dort wurde Ramen angeboten - soweit ich weiss sind das chinesische Nudeln, die man sehr schnell (in etwa 4 Minuten) zubereiten kann. Serviert wird das in so einer speziellen Suppe mit Gemüse und einem Scheibchen Fleisch.
Am Abend vom zweiten Tag gab es dann noch ein grosses Feuerwerk zum Abschluss.
Feuerwerk und Auftritt einer (unbekannten) Band
Eigentlich war ich an dem Abend dann schon ziemlich kaputt aber im Schwimmclub wurde der Captain ausgewechselt und dafür musste dann eine Zeremonie her...
Ich konnte mir ja nicht wirklich vorstellen, was für eine Zeremonie diese kleinen, zierlichen Japaner da machen würden.... Tatsächlich sind wir in ein traditionelles Izakaya gegangen und haben erstmal noch ein richtig leckeres Abendessen bekommen.
Mjam mjam Abendessen
Soweit so gut.... und dann wurde das Bier reingebracht (das haben natürlich die jüngsten Studenten in der Gruppe machen müssen). Der alte Captain musste dann Reden halten. Sobald er dann bestimmte Begriffe gesagt hat, musste er sein Glas auf ex leer trinken. Zum Beispiel :" Und da haben wir dann Basketball...." weiter kam er nicht, da sind dann andere Studenten aufgesprungen, die irgendwas mit Basketball am Hut hatten und haben ihre Gläser geleert. Als Redner musste der alte Captain natürlich jedes Mal austrinken.
Der frühere Captain Satou (links) und der neue Captain (Osaki)
Beide captains haben nicht viel vertragen und sind mehrfach auffällig in Richtung Klo verschwunden. Ich muss aber auch zugeben, dass ich irgendwann auch richtig krass betrunken war. Allerdings hab ich besser durchgehalten als die meisten der Jungs (auch wenn es solche Veranstaltungen in dem Club offenbar öfters gibt).
Es war ein echt lustiges Wochenende und ich konnte noch mehr interessante Japaner kennen lernen.

Samstag, 19. Oktober 2013

Ende der Sommerferien

Langsam ging der September dem Ende zu und allen wurde offenbar bewusst, dass schon sehr bald das naechste Semester beginnen wuerde. Also wurde es Zeit fuer Aktivitaeten der Clubs, die man waehrend des Semesters nicht durchfuehren konnte - Ausfluege mit Uebernachtung.
Zuerst war der Outdoor-Club dran, mit denen bin ich nach Niigata gefahren. Niigata ist eine Praefektur direkt am Meer (gut, das ist bei einer Insel wie Japan auch nicht schwer...) und liegt westlich von Fukushima.
Zum ersten Mal an der Kueste Japans
Wir kamen erst gegen Nachmittag an, da die Fahrt recht lang war (etwa 3 Stunden). Dann mussten noch unsere Zelte aufgebaut werden.
Unser "Lager" auf einem Zeltplatz direkt am Meer
Wie immer in Japan war alles genau geplant und super vorbereitet. Auch der Zeltplatz war ueberraschend bequem, wir konnten sogar ein Messer ausleihen - das hatten die Jungs dann doch vergessen. Insgesamt waren neun Mitglieder vom Outdoor-Club dabei, Tsubasa-chan (eins der wenigen Maedels im Club, ihr Name bedeutet uebersetzt "Flügel") und ich durften uns dann eins der drei Zelte aussuchen. Zu zweit hatte man echt wirklich viel Platz im Zelt.
Der Sonnenuntergang in Richtung Europa (zumindest grob) 
Abends haben wir dann ein richtig langes Barbecue gemacht, danach bin ich echt fast geplatzt. Normalerweise isst man in Japan ja wirklich nur moderate Portionen aber das war echt bissel krass.
Am nächsten Morgen waren alle echt müde aber es gab zum Aufwachen ein umso leckeres Curry (allerdings ein süßes Curry, so wie man es in Japan gern isst.)
Mjam mjam Curry :-)
Nach dem Frühstück waren wir dann eine Runde schwimmen und schließlich sind wir in einen Onsen gegangen. Das Bad im Onsen war mega entspannend nach der Nacht im Zelt. Auf der Rückfahrt habe ich dann quasi nochmal die ganze Zeit geschlafen.
Zurück in Aizu habe ich dann die Geburtstagsfeier für einen Jungen aus meinem Lab gemacht - der ist allerdings nicht aufgetaucht... wir haben dann trotzdem leckeres Essen gegessen und waren dann noch beim Bowling und beim Karaoke. Seitdem ist das so eine Art running gag in meinem Lab.

Einige Tage später ging es dann auf den nächsten zwei-tägigen Ausflug, diesmal mit dem Schwimm-Club. Da bin ich vor meiner Heimreise nach Deutschland ziemlich eilig beigetreten. Allerdings gab es in den Ferien erstmal kein Training, daher konnte ich noch keine Kontake knüpfen. Für mich war der Ausflug die perfekte Gelegenheit die Jungs mal kennen zu lernen. Achja in dem Club gibt es keine anderen Frauen. Ich habe eine Weile gegrübelt wieso das so ist. Anfangs dachte ich, dass es wohl am Schwimmen selbst liegt - das wird im Club anscheinend ziemlich ernst genommen und Mitglieder vom Club nehmen regelmäßig an Wettbewerben teil. Als ich später mit dem Club dann bei der Feier zum Wechsel des Captains war, wurde mir klar, dass das nicht das Hauptproblem ist.... Der Schwimmclub kam mir eher vor wie ein Haufen Physiker (sorry an alle Physiker ;D). Die Zeremonie zum Wechsel des Captains war vor allem ein riesiges Besäufnis, wo die älteren Studenten ihr bestes gegeben haben den früheren und neuen Captain richtig abzufüllen. Das passt natürlich nicht in das japanische Frauenbild, der niedlichen und unterwürfigen Barbie.

Am Inawashiro-See mit dem Bandai-san im Hintergrund
Insgesamt fühle ich mich im Schwimm-Club aber sehr wohl. Wie immer behandelt man mich sehr höflich und mit besonderer Sorgfalt. Da dort ein wesentlich strengeres Rängesystem herrscht und ich als Masterstudent weit oben in der Rangordnung stehe, musste ich bei dem Ausflug auch fast nie was machen. Für mich gilt in beiden Clubs, dass ich immer eingeladen bin aber ich keine Verpflichtungen übernehmen muss.
Man war im Schwimm-Club auch sehr von meinen Japanisch-Kenntnissen beeindruckt, auch wenn ich aktuell irgendwo auf Stufe B2 stehen dürfte. Ich habe aktuell insbesondere das Gefühl immer mehr zu verstehen - auch wenn ich nicht direkt übersetzen kann.

Nach meinen beiden Clubs konnte ich dann auch endlich mal wieder die Mädels überzeugen mit mir eine "party" zu machen, was im Endeffekt bedeutet, dass wir in ein Restaurant gegangen sind und zusammen gegessen haben.
Mädelsabend
Insgesamt habe ich den Rest meiner Ferien so viel genossen wie ich konnte. Irgendwie habe ich mich aber auch schon auf die neuen Kurse und die größere Regelmäßigkeit gefreut.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Aizu Matsuri Tag 3 - Das Samurai Festival

Das ist schon richtig, dass es jetzt mit Tag 3 weiter geht. Tag 2 musste leider wegen zu viel Arbeit im Büro ausfallen, ich bin schon ganz froh, dass ich es geschafft habe die anderen beiden Tage frei zu haben.

Tag 1 war quasi das "Aufwärmen" mit dem Laternenlauf und dem Bandai-Tanz. An Tag 2 wurde dem Anführer einer landesweit bekannten Samurai-Truppe, den Shinsengumi, gedacht, der hier ganz in der Nähe an einem Tempel begraben liegt. Ausserdem gab es dann an Tag 2 nochmal den Bandai-Tanz, für alle, die ihn vorher verpasst hatten.
Tag 3 war der Höhepunkt des Festivals mit der prachtvollen Samurai-Parade und einer Zeremonie für die Byakkotai (die weissen Tiger, eine Teenager-Samurai-Truppe).
Es ging morgens um 10 in der Hauptstrasse von Aizu-Wakamatsu los:
Cheerleader der Doshisha Universität aus Kyoto, gegründet von Yae (der wichtigsten Frau aus Aizu)
Es gab dann noch eine kurze Demonstration in Sachen Samurai-Schwertkampf und schließlich kam die Parade in der Hauptstrasse an.
Die Yakkotai - oder auch "Die Typen mitm Wischmopp" :D
Die ersten in der Parade waren die "Yakkotai" - so eine Art Mischung aus Versorgungstrupp und Clowns. Wir haben uns auch sehr über die Speere amüsiert, die mehr nach Wischmopp als nach Speer aussehen.
Zwischen den größeren Trupps kamen dann auch immer wieder einzelne Anführer auf Pferden angeritten, das war irgendwie besonders beeindruckend und elegant.
Anführer der Herrscherfamilie, die das Schloss gebaut haben
Die meisten Teilnehmer waren entweder sehr cool oder sehr offen und haben gewunken
Insgesamt war ich beeindruckt von den Farben und den Details der Rüstungen. Man konnte auch genau sehen wie sehr man versucht hat, den Originalen treu zu bleiben. Es war an dem Tag nochmal sehr heiss mit etwa 30 Grad und trotzdem ging die Parade nahezu 4 Stunden in der Mittagshitze. Immer wieder haben einzelne Gruppen angehalten für Vorführungen oder kurze Tänze.
Die Teilnehmer waren bunt gemischt: Frauen, Männer, alte Opas aber auch junge Mädchen und Jungen waren dabei
Zwar erinnert es am Anfang etwas an Faschingsumzüge, ist aber im Kern sehr anders. Sehr beeindruckend wie hier Geschichte wieder zum Leben erweckt wird.
Wo es viele starke Krieger gibt, darf eine hübsche Prinzessin auch nicht fehlen
Wunderschön war auch die Prinzessin, die allerdings dann doch auf einem Wagen durch die Straßen gefahren wurde - natüerlich gezogen von mehreren Dienern.
Und eeeendlich kamen dann auch die Shinsengumi - die legendäre Samurai-Truppe, die bis zum Schluss für die Herrschaft des Shoguns und der Samurai gekämpft haben.
Cooler Opa im Vordergrund mit dem Samurai-Schwert :D
Schon merkwürdig, wenn man mitten in der Shoppingzone steht und plötzlich die Samurai auf der Strasse ihre Schwerter ziehen ;D
Die Byakkotai - die Teenager Samurai-Truppe
Die Byakkotai haben im letzten Krieg für den Shogun auch mitgekämpft und sind nahezu alle getötet worden, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Allerdings hat ein kleiner Teil der Truppe auch rituellen Selbstmord begangen, um die eigene Ehre zu bewahren.
Vorführung der Waffentechnologie von diesem entscheidenden Krieg
Da wurde echt schweres Gerät durch die Straßen geschleppt - 4 Stunden lang!!
Der Umzug ging wirklich lang - am Ende hat auch die Batterie meiner Kamera aufgegeben. Ich kann hier auch gar nicht genug Bilder rein stellen, es gibt einfach viel zu viele interessante Bilder.
Eine weitere Abteilung der Byakkotai
Beeindruckend war auch die Organisation - während die Gruppen diesen Teil der Hauptstraße passierten, bekam man nebenher auch immer wieder Informationen über einen Lautsprecher über die Bedeutung der einzelnen Gruppen mitgeteilt. Leider nur auf Japanisch - ich muss aber auch gestehen, dass ich leider nur recht wenige Ausländer am Morgen gesehen habe. Die meisten waren wohl am Schloss während dieser Zeit.
Sehr beeindurckend waren auch diese Damen, die damals auch im Krieg unter Führung der Prinzessin gekämpft haben
Schwertkampfvorführung Shinsengumi versus Bösewicht (mit roten Haaren)
Typ links: Henry Schnell, quasi der erste Ausländer in Aizu
Ganz am Schluss kam dann sogar noch ein Ausländer vorbei, was schon irgendwie surreal nach den ganzen Samurai war. Er war ein Preusse, der quasi als erster Ausländer in Aizu gelebt hat. Er hat die Samurai hier mit Waffen und dem nötigen Training ausgestattet. Dafür bekam er von den Samurai hier ein Haus und einen japanischen Namen: Hiramatsu Buhei. Die japanische Dame neben ihm, war die Hausdame seines Haushaltes, die konsequenterweise nach dem verlorenen Krieg mit nach Amerika gegangen ist. Damit war sie die erste Japanerin in den Vereinigten Staaten.
Ganz zum Schluss dann die wichtigste Person: Yae Niijima - die Frau von Aizu, die mit ihrer Knarre das Schloss verteidigt hat
Wie gesagt, das sind noch lange nicht alle Fotos, ich hab hier jetzt nur mal die besten und wichtigsten rein gepackt.
Gegen Nachmittag sind die Truppen dann wieder ans Schloss zurück gekommen und nach und nach sind alle eingelaufen. Da wurde dann nochmal auf Japanisch erklärt, wer das eigentlich war und wer was mit wem zu tun hatte.
alle wichtigen Anführer zusammen am Schloss
Insgesamt hat sich das total gelohnt und ich hatte einen tollen Tag. Japaner wissen halt wie Geschichte Spaß machen kann :-)

Freitag, 27. September 2013

Aizu Matsuri Tag 1 - Das Samurai Festival

Ich muss mich hier erstmal entschuldigen, dass ich in letzter Zeit so schreibfaul war. Das ist zum Einen wegen der vielen Events hier kurz vor Ende der Ferien, ich bin quasi jeden Tag auf Achse. Zum Anderen musste ich in letzter Zeit viel an meinem zweiten Paper arbeiten und ich muss gestehen, dass mir irgendwann die Motivation fehlt, etwas aufs Papier zu bringen, wenn ich schon auf "Arbeit" so viel schreiben musste.
Allerdings hab ich euch in Deutschland alle natürlich sehr gern und habe mir daher vorgenommen in nächster Zeit wieder etwas mehr zu schreiben. :-)

Hier in Aizu war gerade das größte Volksfest der Region, das nahezu 3 Tage gedauert hat. Dabei wurde vor allem der Bandai-san (Berg, auf den ich auch schon hoch geklettert bin), die Byakkotai (die damals ortsansässige Teenager-Samurai-Truppe) und Yae (die berühmteste Frau aus Aizu, von der man hier überall Plakate rumhängen hat) geehrt.

Das Festival begann Samstag abends so gegen 6 Uhr mit einem Laternenlauf.
Vordergrund: Schaulustige und Laternenlaufteilnehmer
Hintergrund: Bühne für Musiker und Sängerinnen für den Bandai-Tanz
Ich wollte allerdings nur ungern allein zum Festival, also habe ich mein bestes gegeben, jemand zu finden. Das hat sich als schwierig herausgestellt, da viele Studenten jetzt kurz vor Ende der Ferien nochmal nach Hause gefahren sind und andere Studenten gar keine Ahnung von diesem Festival hatten.
Ich hab dann am Ende doch jemand gefunden, der sich immer sehr höflich als "ein Student der Universität" vorgestellt hat - dabei ist er sogar der Präsident der Studierenden... Japanische Bescheidenheit in reiner Form...
Isa mit Takabatake - ein netter aber merkwürdiger Kerl
Er war aber sehr nett - scheinbar hat er sich sogar richtig herausgeputzt für den Abend und hat mich auch sehr höflich zum Essen eingeladen. Eigentlich gilt das in Japan auch als Date, wenn man so zu zweit zu so einem Event geht... auch später im Outdoor Club musste ich mich gegen die Vorwürfe wehren, dass da irgendwas im Busch ist :D

Nach dem Laternenlauf begann dann der Bandai-Tanz zu ehren des Bergs Bandai - da er ein aktiver Vulkan ist, kann ich auch den Respekt der Japaner verstehen.
Gruppe japanischer Männer beim Bandai-Tanz
Dieser Tanz besteht nur aus relativ wenigen Bewegungen, die sehr langsam und mit viel Eleganz ständig wiederholt werden. Und der Tanz ging quasi 2 Stunden lang, bei dem die Tänzer sich ganz langsam in einem großen Kreis bewegt haben.
Ich wollte hier eigentlich mal Videos reinstellen aber irgendwie funktioniert das nicht - ich bekomme immer eine Fehlermeldung. Ich muss mal sehen, was sich da machen lässt. Der Tanz ist in einem Video natürlich wesentlich interessanter.
Es waren bei diesem Anlass vor allem Firmen dabei: alle ortsansässigen Banken, Supermärkte und Krankenhäuser haben mitgemacht. Beeindruckend war auch die über 300 Mann/Frau starke Gruppe von einem Kamera-Hersteller aus der Region. Mitgemacht haben von Kindern bis hin zu Senioren alle Altersgruppen. Auch die Kleidung war zwar innerhalb der Gruppe meist sehr einheitlich aber zwischen den Gruppen gab es große Unterschiede, viele trugen den klassischen japanischen Kimono - eine Gruppe hatte sich im Gegensatz zu Halloween-Kostümen entschieden.
Interessant war auch eine Gruppe von "Alte Meister" - ernsthaft, ich dachte, dass sich da mal wieder irgendein ahnungsloser Japaner ein paar coole deutsche Wörter zusammengeklaut hat und damit irgendnen Ramsch verkauft. Ich war dann so neugierig, dass ich am Ende sogar ein paar Angestellte von der Firma gefragt habe. Erst dachte ich, dass sie Cider (Süßgetränke) herstellen, aber schließlich wurde ich von meinem Begleiter berichtigt, dass sie mir "Saidan" erklären wollten - buddhistische Schreine. Und das seit über hundert Jahren mit dem Firmennamen - damit konnte ich mich dann doch zufrieden geben.

Die Gruppe von "Alte Meister" :-)

Dienstag, 17. September 2013

Konferenz in Aizu

Wuhhu, die Konferenz ist um :-) Es war echt harte Arbeit aber auch richtig viel Spaß - und es hat auch die Mitglieder von meinem Lab näher zusammen gebracht. Irgendwie ein schönes Gefühl, wenn man als Gruppe so eine Leistung vollbracht hat. Wegen den begrenzten Mitteln hier im Lab mussten wir vieles selbst organisieren - vom Kaffee zu den Keksen bis zu Müllbeuteln musste richtig viel gekauft werden. Auch eine Kaffeemaschine und Wasserkocher haben wir anschaffen müssen. Bei der japanischen Diskutierfreude haben selbst die kleinen Einkäufe ewig gedauert.
Es musste dann auch japanisch penibel alles für die Kaffeepausen hergerichtet werden - selbst die Kekse mussten alle schön angerichtet sein. Und dann gab es noch so Aufgaben wie: die Teilnehmer zum Konferenzsaal begleiten und das Menü der Mensa auf Englisch übersetzen, usw. ...
Im Saal bei einem Vortrag von einem Arzt aus dem Krankenhaus von Fukushima-Stadt
Die Vorträge waren fast alle richtig gut - nur bei wirklich wenigen Teilnehmern hätte ich etwas mehr erwartet. Die Themen waren dafür umso breiter gestreut - es ein Biologe da, der erzählt hat wie man Daten über Stoffwechselprodukte nutzen kann, um Krebs zu erkennen. Dann waren natürlich Ärzte aus dem Krankenhaus aus Fukushima da - mein Prof strebt da ja aktuell eine enge Kooperation an. Die beiden haben auch echt coole Vorträge angeliefert - wie man Medizinstudenten beeindrucken kann, wenn man im Operationssaal eine Kinect Kamera stehen hat und damit in medizinischen Datensätzen blättern kann, indem man einfach nur entsprechende Gesten macht.
Natürlich waren auch viele Informatiker da - unter anderem ein chinesischer Prof aus Münster (der konnte aber perfekt Deutsch und mit dem konnte ich dann auch mal wieder auf Deutsch quasseln).
Sehr cool war es, die sonst so lässig gekleideten Jungs aus dem Labor total elegant im Anzug rumlaufen zu sehen. Manchmal ist es doch ganz nett in einem Labor nur mit gutaussehenden Jungs zu hocken ;-)

Nach der Konferenz waren alle total fertig aber natürlich musste der Abschluss der zweitägigen Konferenz auch gefeiert werden.
Müde Jungs im Restaurant

Ich bin dann mit 3 der Japanern und Dzung noch in ein Restaurant gegangen. Insbesondere als wir auf das Essen gewartet haben, hat man allen die tiefe Erschöpfung deutlich angemerkt.
Trotzdem hat uns Tomofusa überzeugt noch zum Bowling zu gehen. Wir haben dann noch einen Freund von Tomofusa mitgenommen, damit wir eine gerade Anzahl von Leuten zusammengebracht haben. Witzigerweise haben die beiden "Nicht-Japaner" deutlich gegen die Japaner verloren :D
mit Suzuki, Tomofusa und Dzung unterwegs beim Bowling
Ich habe immerhin ein konstante Linie gehalten, bei 3 Spielen habe ich 71,71 und schließlich 72 Punkte geholt. Alle hatten richtig viel Spaß. Am Ende hat das Verliererteam den Gewinnern jeweils ein Eis spendiert.
Tomofusa - unser goldener Kegel :-)
Manchmal frage ich mich natürlich, ob es nicht einfacher wäre wieder nach Deutschland zurück zu gehen. Aber es sind Tage wie diese an denen ich einfach nur froh bin hier zu sein, wenn ich für meine Forschung so viel Bestätigung erhalte und ich abends dann mit meinen Freunden so viel Spaß haben kann. Mittlerweile kann ich mich auch schon nahezu fließend auf Japanisch mit den Jungs über einfache Themen unterhalten. Erst gestern hat mich Haga sehr dafür gelobt wie gut ich mittlerweile schon Japanisch spreche.

Dienstag, 10. September 2013

Rueckkehr nach Japan und Vietnamesisches Essen

Ich bin wieder sicher hier in Japan gelandet und nach einer (gefühlt endlos langen) Zugfahrt auch wieder in Aizu angekommen. Am Bahnhof in Narita hat mir der freundliche Ticketverkäufer dann auch noch ein Ticket mit der teuren Reservierung aufgequatscht - nicht, dass eins der verwirrten Ausländerschäfchen irgendwo verloren geht ;-)
Kaum wieder angekommen, ging hier dann auch der ganze, wahnsinnige Forschungsalltag wieder von vorn los. Ich habe in den letzten Tagen ein Poster für eine Konferenz hier in Aizu fertig gemacht und ein Paper muss ich noch fertig schreiben. Kaum ist die Konferenz in einer Woche um, muss ich mein nächstes (noch wichtigeres) Paper in nur 3 Wochen irgendwie aus den Fingern saugen. Ich habe absolut keine Ahnung wie ich das hinbekommen soll aber ich muss einfach mein Bestes geben.
Gleich am ersten Tag zurück in Aizu erhielt ich auch die schlechte Nachricht, dass Ying unser Lab verlässt, da mein Professor nicht mehr die nötigen Mittel hat, sie langfristig zu bezahlen. Da merkt man echt in welcher Krise sich die Wirtschaft befindet, wenn für Forschung nur noch so wenig ausgegeben wird. Das mag zwar auch ein Problem sein, dass mein Lab noch so klein ist aber man merkt doch auch generell Probleme in der Wissenschaftsfinanzierung. Mein Professor hat vor kurzem erzählt, dass man sein Gehalt um 20% gekürzt hat, da auch Fukushima aktuell tief in der Krise ist.
Für mich ist der Wechsel von Ying durchaus ein Problem, da sie bei vielen organisatorischen Fragen geholfen hat und auch zum Beispiel diese Konferenz mit Professor Pham organisiert hat - in Zukunft werde ich dann auch mehr davon übernehmen müssen. Damit verlässt aber auch die einzige andere Frau mein Lab, wodurch ich dann nächstes Mal allein im Onsen sitzen darf, während die Jungs Gesellschaft haben. Zum Glück ist Ying an der gleichen Universität in einem anderen Lab untergekommen, wodurch sie wenigstens ausserhalb der Uni als Freundin erreichbar bleibt.
Als kleiner Ausgleich ist dafür ein vietnamesischer Student in mein Lab gewechselt. Damit gibt es wenigstens noch jemanden, mit dem ich mich auf Englisch unterhalten kann. Bisher kann ich sagen, dass "Dzung" ein netter Kerl ist und wesentlich offener als die oft etwas verkrampften Japaner. Leider wird er wohl nur bis April im Lab bleiben und dann nach Vietnam zurückkehren.
Dzung hat mich dann auch gleich in seine WG im Wohnheim eingeladen - die praktischerweise genau auf der anderen Seite vom Gebäude liegt, im selben Stockwerk. Es gibt ja diese neue blöde Regel mit der Geschlechtertrennung im Wohnheim, selbst in den Gemeinschaftsbereichen der WGs. Er hat mir versichert, dass es in Ordnung geht, da er auch noch viele andere Leute eingeladen hat - am Ende war ich natürlich doch wieder die einzige Frau. Gestört hat sich daran keiner... gut es waren vor allem auch viele Vietnamesen da und 3 verängstigte Japaner.
Süßer Reis mit Kokos und salziger Reis mit Reisrolle
Dzung und seine Freunde haben dafür echt einige tolle vietnamesische Gerichte gezaubert - insgesamt super lecker, am Besten fand ich die Reisrolle mit Gemüse und bissel Fleisch. Allerdings sehr Reis-lastig, was bei einem asiatischen Land aber auch irgendwie zu erwarten war. 
Das ganze Menü mit Nudelsuppe und kleinen Kuchen
Bisweilen war das Essen zwar schon merkwürig aber immer lecker. Der Grund für die Party war offiziell, dass man ausprobieren wollte, wie das Essen bei anderen (nicht-Vietnamesen) ankommt. In einem Monat gibt es hier an der Uni ein großes Fest, bei dem alle Uni-Bands auftreten und auch viele Clubs was vorbereitet haben. Die Vietnamesen-Clique wird dann auch an einem Stand Essen aus der Heimat anbieten. Also wurden wir dafür als Versuchskaninchen ausgewählt. Als ich dann auf der Feier war, hat man mir dann auch erst erzählt, dass es eigentlich Dzungs Geburtstag war... Natürlich hatte ich dadurch auch nichts vorbereitet. Zum Glück war das so nah an meiner WG, dass ich schnell rüber geflitzt bin und eine Tüte Lakritz geholt habe. Wie erwartet hassen Japaner nämlich Lakritz. Damit haben wir dann ein lustiges Spiel gespielt, das eigentlich ein Trinkspiel ist, das mir Paul beigebracht hat. Als Strafe eignete sich Lakritz aber auch hervorragend - der eine Japaner hat fast geheult, als er das dritte mal verloren hatte ;D
Nach der Konferenz geht es dann auch glatt nochmal richtig rund - Halloween party, Aizu Samurai Festival, Outdoor circle Camping und Ausflug mit dem Schwimm-Club. Ich werde mich dann mal wieder an die Arbeit setzen, damit ich bald den Spaß genießen kann!