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Freitag, 27. September 2013

Aizu Matsuri Tag 1 - Das Samurai Festival

Ich muss mich hier erstmal entschuldigen, dass ich in letzter Zeit so schreibfaul war. Das ist zum Einen wegen der vielen Events hier kurz vor Ende der Ferien, ich bin quasi jeden Tag auf Achse. Zum Anderen musste ich in letzter Zeit viel an meinem zweiten Paper arbeiten und ich muss gestehen, dass mir irgendwann die Motivation fehlt, etwas aufs Papier zu bringen, wenn ich schon auf "Arbeit" so viel schreiben musste.
Allerdings hab ich euch in Deutschland alle natürlich sehr gern und habe mir daher vorgenommen in nächster Zeit wieder etwas mehr zu schreiben. :-)

Hier in Aizu war gerade das größte Volksfest der Region, das nahezu 3 Tage gedauert hat. Dabei wurde vor allem der Bandai-san (Berg, auf den ich auch schon hoch geklettert bin), die Byakkotai (die damals ortsansässige Teenager-Samurai-Truppe) und Yae (die berühmteste Frau aus Aizu, von der man hier überall Plakate rumhängen hat) geehrt.

Das Festival begann Samstag abends so gegen 6 Uhr mit einem Laternenlauf.
Vordergrund: Schaulustige und Laternenlaufteilnehmer
Hintergrund: Bühne für Musiker und Sängerinnen für den Bandai-Tanz
Ich wollte allerdings nur ungern allein zum Festival, also habe ich mein bestes gegeben, jemand zu finden. Das hat sich als schwierig herausgestellt, da viele Studenten jetzt kurz vor Ende der Ferien nochmal nach Hause gefahren sind und andere Studenten gar keine Ahnung von diesem Festival hatten.
Ich hab dann am Ende doch jemand gefunden, der sich immer sehr höflich als "ein Student der Universität" vorgestellt hat - dabei ist er sogar der Präsident der Studierenden... Japanische Bescheidenheit in reiner Form...
Isa mit Takabatake - ein netter aber merkwürdiger Kerl
Er war aber sehr nett - scheinbar hat er sich sogar richtig herausgeputzt für den Abend und hat mich auch sehr höflich zum Essen eingeladen. Eigentlich gilt das in Japan auch als Date, wenn man so zu zweit zu so einem Event geht... auch später im Outdoor Club musste ich mich gegen die Vorwürfe wehren, dass da irgendwas im Busch ist :D

Nach dem Laternenlauf begann dann der Bandai-Tanz zu ehren des Bergs Bandai - da er ein aktiver Vulkan ist, kann ich auch den Respekt der Japaner verstehen.
Gruppe japanischer Männer beim Bandai-Tanz
Dieser Tanz besteht nur aus relativ wenigen Bewegungen, die sehr langsam und mit viel Eleganz ständig wiederholt werden. Und der Tanz ging quasi 2 Stunden lang, bei dem die Tänzer sich ganz langsam in einem großen Kreis bewegt haben.
Ich wollte hier eigentlich mal Videos reinstellen aber irgendwie funktioniert das nicht - ich bekomme immer eine Fehlermeldung. Ich muss mal sehen, was sich da machen lässt. Der Tanz ist in einem Video natürlich wesentlich interessanter.
Es waren bei diesem Anlass vor allem Firmen dabei: alle ortsansässigen Banken, Supermärkte und Krankenhäuser haben mitgemacht. Beeindruckend war auch die über 300 Mann/Frau starke Gruppe von einem Kamera-Hersteller aus der Region. Mitgemacht haben von Kindern bis hin zu Senioren alle Altersgruppen. Auch die Kleidung war zwar innerhalb der Gruppe meist sehr einheitlich aber zwischen den Gruppen gab es große Unterschiede, viele trugen den klassischen japanischen Kimono - eine Gruppe hatte sich im Gegensatz zu Halloween-Kostümen entschieden.
Interessant war auch eine Gruppe von "Alte Meister" - ernsthaft, ich dachte, dass sich da mal wieder irgendein ahnungsloser Japaner ein paar coole deutsche Wörter zusammengeklaut hat und damit irgendnen Ramsch verkauft. Ich war dann so neugierig, dass ich am Ende sogar ein paar Angestellte von der Firma gefragt habe. Erst dachte ich, dass sie Cider (Süßgetränke) herstellen, aber schließlich wurde ich von meinem Begleiter berichtigt, dass sie mir "Saidan" erklären wollten - buddhistische Schreine. Und das seit über hundert Jahren mit dem Firmennamen - damit konnte ich mich dann doch zufrieden geben.

Die Gruppe von "Alte Meister" :-)

Dienstag, 17. September 2013

Konferenz in Aizu

Wuhhu, die Konferenz ist um :-) Es war echt harte Arbeit aber auch richtig viel Spaß - und es hat auch die Mitglieder von meinem Lab näher zusammen gebracht. Irgendwie ein schönes Gefühl, wenn man als Gruppe so eine Leistung vollbracht hat. Wegen den begrenzten Mitteln hier im Lab mussten wir vieles selbst organisieren - vom Kaffee zu den Keksen bis zu Müllbeuteln musste richtig viel gekauft werden. Auch eine Kaffeemaschine und Wasserkocher haben wir anschaffen müssen. Bei der japanischen Diskutierfreude haben selbst die kleinen Einkäufe ewig gedauert.
Es musste dann auch japanisch penibel alles für die Kaffeepausen hergerichtet werden - selbst die Kekse mussten alle schön angerichtet sein. Und dann gab es noch so Aufgaben wie: die Teilnehmer zum Konferenzsaal begleiten und das Menü der Mensa auf Englisch übersetzen, usw. ...
Im Saal bei einem Vortrag von einem Arzt aus dem Krankenhaus von Fukushima-Stadt
Die Vorträge waren fast alle richtig gut - nur bei wirklich wenigen Teilnehmern hätte ich etwas mehr erwartet. Die Themen waren dafür umso breiter gestreut - es ein Biologe da, der erzählt hat wie man Daten über Stoffwechselprodukte nutzen kann, um Krebs zu erkennen. Dann waren natürlich Ärzte aus dem Krankenhaus aus Fukushima da - mein Prof strebt da ja aktuell eine enge Kooperation an. Die beiden haben auch echt coole Vorträge angeliefert - wie man Medizinstudenten beeindrucken kann, wenn man im Operationssaal eine Kinect Kamera stehen hat und damit in medizinischen Datensätzen blättern kann, indem man einfach nur entsprechende Gesten macht.
Natürlich waren auch viele Informatiker da - unter anderem ein chinesischer Prof aus Münster (der konnte aber perfekt Deutsch und mit dem konnte ich dann auch mal wieder auf Deutsch quasseln).
Sehr cool war es, die sonst so lässig gekleideten Jungs aus dem Labor total elegant im Anzug rumlaufen zu sehen. Manchmal ist es doch ganz nett in einem Labor nur mit gutaussehenden Jungs zu hocken ;-)

Nach der Konferenz waren alle total fertig aber natürlich musste der Abschluss der zweitägigen Konferenz auch gefeiert werden.
Müde Jungs im Restaurant

Ich bin dann mit 3 der Japanern und Dzung noch in ein Restaurant gegangen. Insbesondere als wir auf das Essen gewartet haben, hat man allen die tiefe Erschöpfung deutlich angemerkt.
Trotzdem hat uns Tomofusa überzeugt noch zum Bowling zu gehen. Wir haben dann noch einen Freund von Tomofusa mitgenommen, damit wir eine gerade Anzahl von Leuten zusammengebracht haben. Witzigerweise haben die beiden "Nicht-Japaner" deutlich gegen die Japaner verloren :D
mit Suzuki, Tomofusa und Dzung unterwegs beim Bowling
Ich habe immerhin ein konstante Linie gehalten, bei 3 Spielen habe ich 71,71 und schließlich 72 Punkte geholt. Alle hatten richtig viel Spaß. Am Ende hat das Verliererteam den Gewinnern jeweils ein Eis spendiert.
Tomofusa - unser goldener Kegel :-)
Manchmal frage ich mich natürlich, ob es nicht einfacher wäre wieder nach Deutschland zurück zu gehen. Aber es sind Tage wie diese an denen ich einfach nur froh bin hier zu sein, wenn ich für meine Forschung so viel Bestätigung erhalte und ich abends dann mit meinen Freunden so viel Spaß haben kann. Mittlerweile kann ich mich auch schon nahezu fließend auf Japanisch mit den Jungs über einfache Themen unterhalten. Erst gestern hat mich Haga sehr dafür gelobt wie gut ich mittlerweile schon Japanisch spreche.

Dienstag, 10. September 2013

Rueckkehr nach Japan und Vietnamesisches Essen

Ich bin wieder sicher hier in Japan gelandet und nach einer (gefühlt endlos langen) Zugfahrt auch wieder in Aizu angekommen. Am Bahnhof in Narita hat mir der freundliche Ticketverkäufer dann auch noch ein Ticket mit der teuren Reservierung aufgequatscht - nicht, dass eins der verwirrten Ausländerschäfchen irgendwo verloren geht ;-)
Kaum wieder angekommen, ging hier dann auch der ganze, wahnsinnige Forschungsalltag wieder von vorn los. Ich habe in den letzten Tagen ein Poster für eine Konferenz hier in Aizu fertig gemacht und ein Paper muss ich noch fertig schreiben. Kaum ist die Konferenz in einer Woche um, muss ich mein nächstes (noch wichtigeres) Paper in nur 3 Wochen irgendwie aus den Fingern saugen. Ich habe absolut keine Ahnung wie ich das hinbekommen soll aber ich muss einfach mein Bestes geben.
Gleich am ersten Tag zurück in Aizu erhielt ich auch die schlechte Nachricht, dass Ying unser Lab verlässt, da mein Professor nicht mehr die nötigen Mittel hat, sie langfristig zu bezahlen. Da merkt man echt in welcher Krise sich die Wirtschaft befindet, wenn für Forschung nur noch so wenig ausgegeben wird. Das mag zwar auch ein Problem sein, dass mein Lab noch so klein ist aber man merkt doch auch generell Probleme in der Wissenschaftsfinanzierung. Mein Professor hat vor kurzem erzählt, dass man sein Gehalt um 20% gekürzt hat, da auch Fukushima aktuell tief in der Krise ist.
Für mich ist der Wechsel von Ying durchaus ein Problem, da sie bei vielen organisatorischen Fragen geholfen hat und auch zum Beispiel diese Konferenz mit Professor Pham organisiert hat - in Zukunft werde ich dann auch mehr davon übernehmen müssen. Damit verlässt aber auch die einzige andere Frau mein Lab, wodurch ich dann nächstes Mal allein im Onsen sitzen darf, während die Jungs Gesellschaft haben. Zum Glück ist Ying an der gleichen Universität in einem anderen Lab untergekommen, wodurch sie wenigstens ausserhalb der Uni als Freundin erreichbar bleibt.
Als kleiner Ausgleich ist dafür ein vietnamesischer Student in mein Lab gewechselt. Damit gibt es wenigstens noch jemanden, mit dem ich mich auf Englisch unterhalten kann. Bisher kann ich sagen, dass "Dzung" ein netter Kerl ist und wesentlich offener als die oft etwas verkrampften Japaner. Leider wird er wohl nur bis April im Lab bleiben und dann nach Vietnam zurückkehren.
Dzung hat mich dann auch gleich in seine WG im Wohnheim eingeladen - die praktischerweise genau auf der anderen Seite vom Gebäude liegt, im selben Stockwerk. Es gibt ja diese neue blöde Regel mit der Geschlechtertrennung im Wohnheim, selbst in den Gemeinschaftsbereichen der WGs. Er hat mir versichert, dass es in Ordnung geht, da er auch noch viele andere Leute eingeladen hat - am Ende war ich natürlich doch wieder die einzige Frau. Gestört hat sich daran keiner... gut es waren vor allem auch viele Vietnamesen da und 3 verängstigte Japaner.
Süßer Reis mit Kokos und salziger Reis mit Reisrolle
Dzung und seine Freunde haben dafür echt einige tolle vietnamesische Gerichte gezaubert - insgesamt super lecker, am Besten fand ich die Reisrolle mit Gemüse und bissel Fleisch. Allerdings sehr Reis-lastig, was bei einem asiatischen Land aber auch irgendwie zu erwarten war. 
Das ganze Menü mit Nudelsuppe und kleinen Kuchen
Bisweilen war das Essen zwar schon merkwürig aber immer lecker. Der Grund für die Party war offiziell, dass man ausprobieren wollte, wie das Essen bei anderen (nicht-Vietnamesen) ankommt. In einem Monat gibt es hier an der Uni ein großes Fest, bei dem alle Uni-Bands auftreten und auch viele Clubs was vorbereitet haben. Die Vietnamesen-Clique wird dann auch an einem Stand Essen aus der Heimat anbieten. Also wurden wir dafür als Versuchskaninchen ausgewählt. Als ich dann auf der Feier war, hat man mir dann auch erst erzählt, dass es eigentlich Dzungs Geburtstag war... Natürlich hatte ich dadurch auch nichts vorbereitet. Zum Glück war das so nah an meiner WG, dass ich schnell rüber geflitzt bin und eine Tüte Lakritz geholt habe. Wie erwartet hassen Japaner nämlich Lakritz. Damit haben wir dann ein lustiges Spiel gespielt, das eigentlich ein Trinkspiel ist, das mir Paul beigebracht hat. Als Strafe eignete sich Lakritz aber auch hervorragend - der eine Japaner hat fast geheult, als er das dritte mal verloren hatte ;D
Nach der Konferenz geht es dann auch glatt nochmal richtig rund - Halloween party, Aizu Samurai Festival, Outdoor circle Camping und Ausflug mit dem Schwimm-Club. Ich werde mich dann mal wieder an die Arbeit setzen, damit ich bald den Spaß genießen kann! 

Mittwoch, 28. August 2013

August in Aizu

Der August in Aizu ist schon ziemlich heiss - nicht unbedingt wegen den Temperaturen allein. Das sind durchschnittlich so etwa 33 Grad am Mittag in der Sonne. Das Problem ist die hohe Luftfeuchtigkeit und zusätzlich hat es quasi jeden Tag über 30 Grad. Die ersten Tage ist das noch ganz cool aber irgendwann will man dann auch wieder eine Abkühlung haben.
Ich war an einem Nachmittag auch auf einer kleinen Radtour in Aizu und habe in der Nachbarschaft hier so ein niedliches Anwesen gefunden.
Ein traditionelles Anwesen nahe der Uni
Mir gefällt der Baustil hier in Japan wirklich sehr gut, auch wenn viele Japaner sagen, dass es im Sommer in solchen alten Häusern viel zu heiss wird. Es wollen ja auch nicht alle Deutsche in einem Fachwerkhaus wohnen ;-)
Ein paar Tage später war ich dann mit ein paar der Jungs aus dem Lab in einem Restaurant essen. Es war ein kleines Restaurant, ziemlich schlicht eingerichtet in einem alten Bauernhaus. Das interessante daran war das Essen - im Prinzip hatte da jeder Tisch seinen eigenen Grill:
Grillen im Restaurant
Das echt mal wieder lustig und die Jungs waren auch gut drauf, da die Prüfungszeit gerade vorbei war.
Suzuki und Hasegawa warten ungeduldig auf das Essen ;D
Im Lab gibt es wie immer viel zu tun und gerade im Moment sind eigentlich Sommerferien, da fällt es wirklich schwer überstunden im Büro zu machen, während die anderen zu Hause bei ihren Familien faulenzen.
Glücklicherweise fliege ich morgen dann auch nach Europa für 2 Wochen - das wieder sicher wieder ein krasser Kulturschock. Wenn alle Leute plötzlich wieder so unfreundlich sind und auf der Strasse beim Gehen essen.
Ich bin gespannt! ;-)

Samstag, 3. August 2013

Japanese and Aizu culture Seminar

Eine Woche lang hat das Buero fuer internationale Angelegenheiten der University of Aizu ein Seminar veranstaltet fuer Auslaender, die sich fuer die Japanische Kultur interessieren. Man koennte natuerlich sagen, dass man hier mitten im "Inaka"(=auf dem Land) ja genug mit der japanischen Kultur in Kontakt kommt, aber ganz so einfach ist die Sache dann auch wieder nicht. Schliesslich bekommt man selten etwas auf Englisch erklaert und dann ist man in der Regel auch relativ isoliert und westlich angepasst auf dem Uni Campus.
Also habe ich mal wieder diese Chance genutzt mein Japanisch zu verbessern und ein paar neue Leute zu treffen. Ich wurde in Kurs 2 eingestuft (im Prinzip gab es dort nur 2 Level: ein (Anfaenger-)Kurs auf Englisch und einen auf Japanisch).
In meinem Kurs war ausser mir nur eine andere Auslaenderin: Hon-san, die vietnamesische Frau eines Professors hier an der Uni. Dann war da natuerlich noch unsere super freundliche Lehrerin Frau Kato, die uns wirklich mit grosser Begeisterung von japanischem Essen und japanischer Kultur erzaehlt hat.
Am ersten Tag haben wir vor allem ueber das Essen in Japan und anderen Laendern geredet und man hat mir bei der Gelegenheit auch immer wieder gesagt, dass mein Japanisch schon hervorragend sein soll. Ich bin mir da im Alltag meist ja nicht so sicher aber es stimmt schon, dass ich mich mittlerweile schon ganz gut unterhalten kann (wenn der zuhoerende Japaner gewillt ist mich zu verstehen).
Frau Kato in traditioneller Ausruestung mit japanischem Langbogen
Am zweiten Tag haben wir uns dann mit budo (Sport) und shodo (Schrift) beschaeftigt.Wir haben ueber diverse japanische Sportarten geredet und es gab wieder grosse Verblueffung als ich erklaert habe, dass ich schon in Deutschland Ninjutsu (die Kunst der Ninja) an der Uni ausprobiert habe.

Spaeter durften wir uns dann ein Schriftzeichen aussuchen und es mit so einem Federstift auf ein kleinen, mit Papier bespannten Rahmen malen. Ich habe "Kokoro" ausgewaehlt, was "Herz" bedeutet - unter anderem, da es ziemlich einfach mit nur 4 Strichen ist.
Jaja, Herz schreibt man eigentlich gross aber ich fand das so huebscher :/
Am Tag darauf haben wir dann so lustige Figuren bemalt. Auf Japanisch haben die einen schrecklich langen namen '起き上がり小法師', das heisst frei uebersetzt etwa "Stehaufmaennchen". Das trifft die Funktion von dieser Figur allerdings sehr gut, da man die Figur antippen kann und sie sich immer wieder aufrichtet. Kinder bekommen diese Maennchen von ihren Eltern geschenkt, um sie zu ermuntern auch nach Niederlagen wieder aufzustehen und weiter zu machen.

起き上がり小法師 (gelesen als: okiagarikoboshi), ganz rechts orginal Bemalung, die anderen free-style Bemalung
Einen Tag haben wir dann ueber die Geschichte von Aizu gesprochen und eine Folge von "八重の桜" angeschaut, eines bekannten Historiendramas ueber eine Frau aus Aizu, die am Ende des Shogunats bei einer entscheidenden Schlacht in Aizu mitgekaempft hat und spaeter in Kyoto einen Auslaender geheiratet hat.
Am letzten Tag der Woche haben wir dann mit beiden Kursen zusammen eine Sake-Brauerei besichtigt. Allerdings ist die Herstellung von Bier und von Sake irgendwie aehnlich, auch wenn Sake wesentlich staerker ist als Bier.
Verschiedene Reissorten, die zur Herstellung von Sake geeignet sind
Ich finde es immer schoen, dass es in Japan scheinbar noch wesentlich mehr kleine Familien-Unternehmen gibt, die nach ueberlieferter Tradition ihre Waren herstellen. Es gibt in der Gegend von Aizu auch noch sehr viele kleine Bauernhoefe und kleine Handwerksbetriebe.
Manchmal habe ich das Gefuehl, dass man in Japan Geschichte und Moderne besser in Einklang bringt als in Deutschland. 

Mittwoch, 31. Juli 2013

Hanabi in Shiokawa

Am Sonntag gab es ein Feuerwerk in Shiokawa, einem Dorf in der Naehe von Aizu. Solche Feuerwerk-events werden in Japan Hanabi (花火, Blume + Feuer) genannt, nicht zu verwechseln mit Hanami (花見, Blume + schauen) dem traditionellen Kirschbluetenglotzen. Ich vermute mal, dass das Wort ausdruecken soll, dass Feuerwerk wie brennende Blumen am Himmel aussieht.
Solche Feuerwerke sind in Japan immer grosse Gesellschaftsereignisse, bisschen wie Volksfeste in Deutschland auch (etwa dem Maifest oder einer Kirmes). Man kann es es aber wohl am besten mit dem Oktoberfest vergleichen, Leute ziehen sich traditionelle Kleidung an und gehen in Gruppen auf das Fest, um gut zu essen und zu trinken. Waehrend in Deutschland das Trinken im Vordergrund steht, scheint das in Japan das Essen zu sein (was wuerde man von Japan sonst auch erwarten ;D).

Um fuer die ganzen Staende auch genug Platz zu haben, waehlt man dafuer scheinbar auch gern mal kleinere Staedte und Doerfer aus - wie in diesem Fall Shiokawa, das etwa 10 Minuten mit dem Zug von Aizu entfernt ist.
beleuchtete Staende + Japaner in modernen sowie traditionellen Klamotten
Bei so einem Matsuri (Volksfest) ist immer richtig viel los - ich moechte gar nicht wissen wie krass sowas in den grossen Staedten sein muss. Dort waren dann aber hauptsaechlich Japaner (wie immer in Fukushima) und nur selten hat man mal ein nicht so japanisches Gesicht erhaschen koennen (von denen kannte ich witzigerweise aber alle schon).
Irgendwie habe ich mich ja schon ein bisschen schlecht gefuehlt, dass ich noch keinen Yukata (so eine Art sommerlichen Kimono) habe - eigentlich ist das bisschen so als wuerde man aufs Oktoberfest ohne Dirndl gehen. Ich hab mir dann ein buntes Sommerkleid angezogen und gehofft, dass ich nicht ganz so casual aussehe... die Japaner hats offenbar nicht gestoert, ich hab an dem Tag mehrfach gesagt bekommen, dass ich ja ein huebsche Auslaenderin sei - tja der Exotenbonus ist schon was tolles ;-)
Quasi jeder Stand dort hat was zu Essen im Angebot gehabt, von Yakisoba (gebratenen Nudeln) ueber Okonomiyaki (diese leckeren "Pizza"-Dinger, nach Osaka-Art oder Hiroshima-Art wahlweise) bis hin zu Crepes. Bei den Crepes wurde ich dann aber doch stutzig als ich sah, dass man zwar kein Nutella im Angebot hat aber dafuer eine Variante mit Salat und Wuerstchen oO

Crepe mit Salat und Wuerstchen oder mit Salat und Schinken
Gut sind da immer diese Plastik-Versionen von den Gerichten, damit kann man sich in Japan auch ohne Sprachkenntnisse wunderbar orientieren und bekommt gleich einen guten Eindruck vom Essen, auch wenn man wie beim Crepe nicht reingucken kann.
Die Preise dort waren aber untypisch fuer Japan ziemlich hoch, ein Gericht bzw ein Becher Bier hat in der Regel etwa 5 Euro gekostet.

Ich bin mit Paul (dem schottischen PhD, der momentan fuer etwa 3 Monate hier ist) und einem Japaner hingegangen.
Paul und Daisuke
Wir haben dort auch einige Bierchen gebechert und nach dem 4ten Bier habe ich dann allerdings beschlossen, dass das genug sein sollte - ich war da dann auch schon betrunken genug mir ein Teil von meinem Bier uebers Kleid zu schuetten.

Und dann so um halb acht fing dann endlich das Feuerwerk an und ich muss sagen, da hat sich das Warten wirklich gelohnt.

Super Feuerwerk :-)
Das ganze Feuerwerk ging etwa eine Stunde lang - selbst an Silvester haben die meisten Leute nach 20 Minuten in Deutschland ja schon alle Raketen abgeschossen, daher war das irgendwie mal richtig cool, dass das so lange gedauert hat.
Leider ist meine Kamera nachts nicht so gut, daher sind die Fotos nur mittelmaessig geworden. Weils so cool war hier aber noch ein Foto ;-)


Also ich muss sagen, dass ich echt empfehlen kann in Japan zu so einem Hanabi zu gehen. Es war ein riesen Spass und besonders toll, weil man in einer lauen Sommernacht ganz in Ruhe ein Feuerwerk angucken kann - anders als in Deutschland im kalten Winter draussen rum zu stehen.  


Abendessen mit allen aus meinem Lab

Nach einem der zweiwoechentlichen Lab meetings haben wir beschlossen alle einmal richtig ordentlich essen zu gehen. Dafuer sind wir in ein Restaurant nahe dem Bahnhof von Aizu gefahren und haben uns sicherheitshalber auch einen Tisch reserviert, zwar gibt es in Japan echt viele Restaurants aber dafuer auch umso mehr Japaner, die gern essen gehen.
Dort haben wir erstmal die Spezialitaeten von Aizu probiert 'Bazashi' (das rohe Pferdefleisch) und 'Kozuyu' (eine Suppe mit viel Berggemuese).
Kozuyu - etwas fade aber lecker
 
So ein kleines Gemuesesueppchen ist schon was feines, auch wenn es wenig Geschmack hatte (verglichen mit so mancher deutschen Suppe).
Da wir von unserem Professor eingeladen wurden haben wir uns dann auch mal noch einen richtig leckeren, grossen Fisch gegoennt.
Suzuki-san und Hasegawa-san mit dem grossen Fisch
Ich kann mich leider nicht mehr daran erinnern, was fuer ein Fisch genau das war, aber er war wirklich total lecker. Interessant war auch, dass wir gleich so kleine Waschlappen mit dem Fisch zusammen "serviert" bekommen haben, damit man sich auch ordentlich die Haende abwaschen kann, nachdem man die Graeten entfernt hat.
Das war allerdings nur die "Vorspeise", der Hauptgang bestand dann aus Sushi und Sashimi (rohem Fisch). In Sachen Praesentation von Speisen koennten quasi alle Restaurants in Deutschland echt mal was von den japanischen lernen... Ich hab echt noch nie so ne coole Dekoration fuer Essen gesehen wie in Japan:

Rohe Fischhaeppchen serviert auf einem Boot
Alles ausser der Suppe und dem Nachtisch haben wir an meinem Tisch uebrigens geteilt - was bei so einer Auswahl echt klasse ist, weil man sich wie bei einem Buffet ueberall mal durchfuttern kann, ohne dass man am Ende auf einem Berg Essen sitzen bleibt.

Als Nachtisch haben wir dann so ein kleines Stueck Matcha-Tiramisu ausgewaehlt. Matcha ist das Pulver fuer den gruenen Tee und ich kann nur sagen, dass diese Kombination im ersten Moment vielleicht komisch klingt aber der Nachtisch hat mindestens so geil geschmeckt wie die Gaenge davor.

Isa, Ying und der Nachtisch <3
Das war wirklich ein mega lustiger Abend und Professor Pham war auch richtig gut drauf. Nach einem Bier hat er vorgeschlagen, dass wir alle zusammen campen gehen sollten - natuerlich muss man dann auf die Baeren aufpassen. Aber falls man auf einen Baer trifft kann man den ja jagen und nett grillen ;D
Bei der Vorstellung von so einem Barbecue haben selbst die etwas reservierten Japaner herzlich gelacht.