The University of Aizu Haupteingang

Montag, 29. April 2013

Hajimete Teil 1: Das erste Mal im japanischen Kino

Wie der Titel vom Post verrät, war das ein äußerst aufregender Tag und ein krass langer mit dazu... ich war da etwa 24 Stunden am Stück wach.
Gegen 6 Uhr morgens bin ich vor Vorfreude (und wegen einer verstopften Nase) aufgewacht - immerhin hatte ich zum ersten Mal seit 4 Wochen geplant die Stadt zu verlassen. Leider nicht ganz freiwillig... ich wollte nämlich den neuen Film von Detektiv Conan sehen und habe dann feststellen müssen, dass es kein einziges Kino in Aizu-Wakamatsu gibt.
Also habe ich Abe-senpai gefragt und er hat eingewilligt mich mit dem Auto nach Koriyama zu fahren und mit mir ins Kino zu gehen. Viele Sachen funktionieren hier einfach wesentlich einfacher, wenn man einen der "Eingeborenen" mitnimmt. ;-)
Also wurde ich um 10 Uhr von Abe-senpai und Hasegawa-san (beide in meinem Forschungslabor, Fotos siehe Post davor) abgeholt und wir sind etwa eine Stunde nach Koriyama gefahren, wo ich schon vor 4 Wochen ein Wochenende verbracht habe.
Da könnte man sich natürlich fragen wieso wir schon um 10 los gefahren sind, obwohl wir eigentlich nur ins Kino wollten... tja in Japan ist die erste Vorstellung meist um 10 uhr und wir waren in der 12:20 Vorstellung. Abends gehen dann kaum noch Leute in die Vorstellungen - das Hauptgeschäft wird offenbar mittags gemacht.
Plakat zum Film, Quelle: http://cdn.myanimelist.net/images/anime/4/47419.jpg
Wieso ich einen Kinderfilm unbedingt sehen wollte? Tja, das ist mittlerweile der 17. Film und ich habe alle 16 Filme davor schon gesehen, für mich hört sich das an wie eine logische Schlussfolgerung auch den neusten Film sehen zu wollen ;-) Das Gute an dem relativ einfachen Inhalt ist natürlich die Verständlichkeit - immerhin sind alle Filme hier natürlich komplett auf Japanisch ohne jegliche Untertitel. Besonders anspruchsvolle Filme sind für mich da quasi noch ein Tabu.

Der Film war wie erwartet auch echt gut und ich habe vielleicht so 20% vom gesprochenen Text verstanden aber die Bilder haben fürs gesamte Verständnis natürlich auch sehr geholfen. Witzigerweise habe ich mehrmals statt "detective" das Wort "ditective" gelesen - vermutlich hat das aber außer mir im ganzen Kino niemand gemerkt ;D
Offensichtlich hatten auch die beiden Jungs aus meinem Büro Spaß beim Gucken, obwohl der Kinosaal sonst nur mit Eltern und deren Kinder gefüllt war.

Als wir dann um 3 Uhr aus dem Kino kamen, waren wir echt hungrig und ich habe dummerweise vorher gesagt, dass ich gern Gemüse esse... deshalb haben sich die beiden Jungs dann einen abgebrochen ein Restaurant mit möglichst viel Gemüse für mich zu finden ;D
Am Ende sind wir in einem echt tollen Restaurant mit riesigem Buffet gelandet, da gab es wirklich eine breite Auswahl an japanischen und westlichen Köstlichkeiten. Trotzdem waren die beiden echt diszipliniert beim Essen - eine Fressorgie war das definitiv nicht.

Schließlich sind wir noch in einen Laden für Manga und Anime gegangen und ich hätte so gerne etwas gekauft aber im Moment bin ich einfach zu langsam, um wirklich ernsthaft viele Manga zu lesen. Außerdem hat mir Hasegawa-san versprochen mir ein paar Bände vom Manga meines Lieblingsanimes (Chihayafuru) auszuleihen - damit bin ich dann fürs erste versorgt ;-)

Auf dem Nachhauseweg ist Abe dann einen besonderen Weg gefahren, um mir von einem Hügel aus die glänzende Stadt zu zeigen. Dabei habe ich dann auch gelernt, dass "kira kira" glänzen bzw. glitzern bedeutet.

Wir waren dann so gegen 7 zurück im Wohnheim und ich habe die Jungs dann noch eingeladen ein paar Fotos von meinen Reisen nach Spanien und Australien anzugucken. Es ist jedes Mal total niedlich zu sehen wie sehr sich die Japaner darum sorgen in ein fremdes Heim/Auto einzutreten. Die standen ewig an der Türe rum und haben sich entschuldigt und verbeugt, bis sie dann rein gekommen sind.

Irgendwie hatte ich in Greifswald nur ein kleines 1-Zimmer Apartment, wo sich meine Freunde immer ganz selbstverständlich auf mein Bett gesetzt haben und hier brechen sich alle einen ab nur wenn sie ein fremdes Haus betreten. Das ist schon eine ziemliche Umstellung.
Aber irgendwie ist diese Höflichkeit auch sehr schön, weil man sieht, dass sich der andere dessen bewusst ist, dass er in die Privatsphäre von jemandem eindringt.

Hanami die Zweite

Naja Japan wäre nicht Japan, wenn die Leute nach schon einem Mal genug Kirschblüten gesehen hätten. Außerdem gehen hier alle Forschungsgruppen traditionell zum Hanami.
Leider war es immer noch so kalt, deshalb haben wir beschlossen in einem Restaurant zu essen und erst danach zum Schloss zu gehen.
In der Gruppe dabei waren Professor Pham, die Postdoktorandin Ying, Abe-senpai, Tomofusa (mein Prof nennt ihn fälschlicherweise immer Tofu), Haga (mein Prof nennt ihn aber eher Hägar), Matsui und Suzuki (der aber wegen Krankheit nicht mitgekommen ist.).
Von links: Haga, ich ;D, Abe-senpai, Pham-sensei
Wir waren in einem westlichen Restaurant - was insbesondere für Professor Pham gut war, der sich bis zum Schluss auch so kaum entscheiden konnte, was er zum Abendessen haben wollte.
Am Ende waren aber alle echt glücklich mit dem Essen und Abe-senpai hat mir sogar sein Kuchenstück überlassen ohne dass ich fragen musste - das ist die krasse Freundlichkeit der Japaner.
Von links: Matsui, Hasegawa und Ying
Danach sind wir natürlich trotzdem noch zum Schloss gegangen, um die Kirschbäume anzugucken und ein Gruppenfoto machen zu lassen. Leider nicht mit meiner Kamera, deshalb hier nochmal ein schönes Foto vom Schloss und der Illumination.


Am Tag darauf habe ich dann gemerkt, dass ich mir eine Erkältung eingefangen habe und deshalb waren Freitag und Samstag eher langweilig. Ich habe irgendwann dann nur festgestellt, dass ich mir die Erkältung nicht etwa wegen dem Hanami eingehandelt habe...
Hier im Wohnheim gibt es so typisch japanische Fenster, die man aufschieben muss. Sobald das Fenster aber senkrecht ist, erwarte ich erfahrungsgemäß, dass es geschlossen ist. Leider habe ich nicht gemerkt, dass mein Fenster aber 2 Tage lang auf einer Seite (hinter dem Vorhang) weit offen stand... Kein Wunder, dass man sich dann bei der Kälte eine Krankheit einhandelt ;D

Dienstag, 23. April 2013

Hanami - "Kirschblütenglotzen"

Erstmal wurde ich Sonntags von einem Studenten und meiner Betreuerin von der Wohnheims-WG zu einem Laden für Handys gebracht, da mein Handy aus Deutschland hier in Japan natürlich nicht funktioniert (und auf Dauer auch viel zu teuer wäre.)
Dort haben wir dann erstmal ein Handy ausgesucht - was etwa eine Stunde gedauert hat. Immerhin gibt es da auch verschiedene Preiskategorien... Am Ende habe ich ein sehr günstiges genommen. Dann haben wir einen Vertrag zusammen gestellt (was auch wieder ewig gedauert hat.) und dann haben wir festgestellt, dass ich nicht nur meine Residence Card zeigen musste, sondern auch noch meinen Reisepass. Also mussten wir nochmal zurück ins Wohnheim fahren und den Pass holen.
Nach etwa 4 Stunden konnte ich dann mein Handy mitnehmen - natürlich funktioniert das nur auf Japanisch und man kann auch Nachrichten nur mit japanischen Schriftzeichen schreiben. Da folge ich mal wieder dem "learn it on the hard way"-Prinzip aber ich hoffe, dass mir so etwas hilft schnell Japanisch zu lernen.

Montags habe ich dann die Übungsaufgaben für den einen Kurs kontrolliert und ich war bisweilen echt ein wenig überrascht - Selbst die einfachen Aufgaben von der ersten Woche schienen einigen echt schwer gefallen zu sein. Da bin ich mal gespannt wie sich das entwickelt...^^
Die Anzahl der Studenten ist jetzt schon mal von 24 auf 17 gesunken. (Englisch schreckt doch einige ab)

Gegen 6 Uhr bin ich dann zum Haupteingang der Universität gelaufen, um von dort mit dem Outdoor-Club zum taditionellen Hanami zu gehen. Dazu sind wir teils mit dem Fahrrad und mit dem Auto (ich konnte zum Glück einen Platz im Auto ergattern) zur Burg von Aizu-Wakamatsu gefahren.

Dort war es natürlich schon dunkel aber die Burg und die Kirschbäume waren hell angeleuchtet und das war wirklich total schön.
ein Wald aus Kirschbäumen :-)
Direkt unter einigen Kirschbäumen vor der Burg haben wir dann ein Picknick gemacht und bei geschätzt etwa 40 Leuten war auch wirklich was los. Ich habe mich viel mit Makino-san unterhalten, der ziemlich gut Englisch konnte und zwischendurch auch mit einigen anderen auf Japanisch.
(Dort bin ich übrigens der hübschen "Dame" in rosa von dem lustigen Bingo-Spiel von vor 2 Wochen wieder begegnet und er hat sich sogar an mich erinnert, obwohl ich nur irgendwo in der Menge stand... ich steche hier halt doch überall heraus :/ )
Wieder hatte ich das Gefühl, dass man sich sehr viel um mich gekümmert hat.
Achja und dann musste sich auch noch jeder selbst auf Japanisch vorstellen und zum Glück konnte ich genug anderen zuhören, um selbst ein paar einfache Sätze bilden zu können. Natürlich waren alle bei mir besonders gespannt und ich glaube einige waren auch echt überrascht, dass eine (offensichtliche) Ausländerin wie ich mich überhaupt auf Japanisch unterhalten konnte.

Unser Blick auf die Burg
Es sind solche Abende, die mich manchmal vergessen lassen wie schwierig es immer noch ist für mich auf Japanisch etwas zu erzählen. Manchmal liege ich abends wach und überlege wieso ich nicht härter an meinem Japanisch gearbeitet habe, als ich noch in Deutschland war.
Ich freue mich schon auf den Mai, wenn hier endlich die Japanisch-Kurse an der Uni anfangen und ich hoffentlich in kurzer Zeit schnell weiter komme.

Morgen will ich einen Käsekuchen backen, mal sehen, ob das was wird ;D

Sonntag, 21. April 2013

Schnee und Blüten

Die Woche ging mal wieder relativ normal zu Ende und nach der vielen Arbeit für den Report war ich auch irgendwie erschöpft. Also beschloss ich das Wochenende mal zu genießen und am Freitagabend wollte ich irgendwas lustiges machen. Irgendwie schien facebook ausgestorben zu sein und ich bin einfach mal spontan in eine der anderen WGs gegangen und prompt bis 3 Uhr nachts hängen geblieben.

Am nächsten Tag war ich dann um 2 Uhr mittags mit Bektur und Yuhei zum Anime gucken verabredet und wir haben so etwa 2 Stunden verbracht, obwohl wir eigentlich nur einen Anime wirklich geguckt haben.
Ich glaube das war vor allem für Bektur ziemlich gut, weil er relativ isoliert ist - er spricht leider so gut wie kein Japanisch.

Abends gab es dann in einer der WGs eine Okonomiyaki-party.
Sieht komisch aus, ist aber mega lecker
Ich kann immer noch nicht so ganz beschreiben was Okonomiyaki genau ist, aber es ist so ne Art Gemüsepfannkuchen und das wird dann noch immer hübsch mit einer dunklen Soße, viel Majonaise und getrocknetem irgendwas verziert und dann meist auch sofort gegessen.
Davon könnte ich echt ewig essen wenn ich nicht satt werden würde ;D

Am nächsten Tag bin ich aufgewacht und es war in meinem Zimmer ungewöhnlich kühl - immerhin hatte es vor ein paar Tagen noch 20 Grad und ich bin im Sommerkleid rum gelaufen.
Ein Blick aus dem Fenster hat mich dann doch etwas schockiert:
vom Eingang des Wohnheims aus fotografiert
Irgendwie ist das schon ein merkwürdiges Wetter hier... Innerhalb von wenigen Tagen ändern sich die Temperaturen um etwa 15 Grad. Für Dienstag ist auch schon wieder 15 Grad angesagt während es heute so etwa 0 Grad hat.
Ich hab die Chance dann genutzt und habe einige echt seltene Aufnahmen gemacht:
Im Park der Universität
Hier hat die Kirschblüte erst vor 2 Tagen wirklich angefangen (deshalb will ich morgen auch zum Hanami - so einer Art Kirschblütenparty)
Selbst die wunderschönen Kirschblüten waren vom Schnee bedeckt - total schön :)

Bleibt zu hoffen, dass die Blüten jetzt nicht alle abfallen. Ich war die letzten Tage echt zu beschäftigt wirklich Fotos von den Blüten zu machen.
Ich hoffe auch, dass es nicht noch mal schneit... immerhin ist es jetzt schon Ende April und ich habe meine Wintersachen vorerst in Deutschland gelassen :/

Donnerstag, 18. April 2013

Die ersten Vorlesungen

Fuer mich begann also die erste Woche mit Vorlesungen und ich habe mir fuer dieses Semester 4 Vorlesungen ausgesucht. Im Prinzip ist das auch gar nicht viel, da alle Vorlesungen 2 Termine mit je 90 minuten pro Woche beinhalten.
Montags hatte ich dadurch frei und konnte in einem Buch lesen, das mir Professor Pham gegeben hat. Gegen 15 Uhr habe ich dann noch bei ihm im Buero vorbei geschaut, um mir weitere Arbeitsanweisungen abzuholen.
Die Abende im Wohnheim sind entweder sehr gesellig oder ruhig, dazwischen gibt es kaum etwas. Die beiden anderen internationalen Studentinnen in meiner WG sehe ich fast nie, hoechstens wenn sie sich in der Kueche schnell etwas kochen.
Dienstags hatte ich dann gleich am Anfang "Stochastic processes", eine Vorlesung von der ich tiefe mathematische Inhalte erwartet habe. Tatsaechlich ist der Professor ein Mathematiker und er scheint formale Definitionen und Beweise zu moegen :)
Leider haben die anderen 4 Studenten (alles Japaner) nur wenig Ahnung von formaler Mathematik und es scheint eine tiefe Kluft bezueglich des Wissens zwischen mir und den anderen zu geben.
Der Prof macht die Vorlesung allerdings wirklich super und erklaert alles sehr anschaulich und langsam jedes Mal auf Japanisch und auf Englisch.
Die Numerik-Vorlesung danach hat mich etwas enttaeuscht - der Prof erklaert zwar auf Englisch aber das komplette Skript ist auf Japanisch, was die Schwierigkeit fuer mich deutlich erhoeht. In der ersten Stunde hatte er etwa 30 Seiten Grundlagen aus der linearen Algebra dabei, die er in 90 minuten runter gerasselt hat (obwohl der Kurs noch 90 minuten laenger gedauert haette...) die Japaner haben in der Zeit hauptsaechlich geschlafen oder was anderes gemacht.
Mittwochs hatte ich dann "Neuronale Netze" zusammen mit Bektur aus Kirgistan, mit dem ich mich momentan echt gut verstehe. Wir haben dann gleich auch ein Team fuer die Gruppenaufgaben gemacht und natuerlich wollte keiner der Japaner in unsere Gruppe ;D aber bisher funktioniert das so ziemlich gut.
Mein vierter Kurs ist "Introduction to bioinformatics" und damit mein langweiligster Kurs... Ich hatte schon einen wirklich ausfuehrlichen Kurs zu dem Thema in Deutschland und die Inhaltsangabe sah auch so aus, als koennte ich da kaum etwas neues lernen.
Am Wochenende bin ich mit dem Fahrrad herum gefahren und habe einen guten Supermarkt gefunden, denn in den Kombinis kann man zwar gut was kleines kaufen aber es gibt dort in der Regel kein frisches Obst oder Gemuese.
Gegen abend sind wir dann wieder zu einer witzigen Geburtstagsfeier gegangen, die auch ohne viel Alkohol bis 5 Uhr morgens gedauert hat.
Dort hatte ich zum ersten Mal ein Gespraech mit einem Japaner ueber 1 Stunde nur auf Japanisch, was allerdings daran lag, dass wir uns ueber Anime unterhalten haben und ich kenne einfach extrem viele ;D Also konnte ich ueber jeden Anime ein paar einfache Saetze machen und auch einfache Saetze verstehen.
Ab Sonntag habe ich mich aber wieder voellig auf das Studium konzentriert und an einem Report fuer meinen Kurs in Bioinformatik gearbeitet. Ich hatte den Professor gefragt und er meinte, dass er 20 Seiten (bei einer Woche Zeit) erwartet. So etwas auf Englisch ueber ein fachliches Thema zu schreiben ist nicht einfach und daher habe ich dort viel Zeit investiert.

Als ich am Mittwoch abend den Report abgeschnickt habe, hatte er 35 Seiten (allerdings waren etwa 15 Seiten davon nur Bilder). Am naechsten Tag habe ich andere Studenten aus dem Kurs gefragt, wieviel sie so geschrieben haben und die meinten dann 1 bzw 0.5 Seiten...
Manchmal nimmt mein Perfektionismus echt krasse Ausmasse an und ich weiss nicht, ob ich das gut finden soll oder nicht :/
Ansonsten falle ich einfach immer ueberall auf und gerade ausserhalb der Uni starren mich die Leute regelrecht an, weil sich hier in die Berge nur wenige Auslaender verirren...
Heute wurde ich vor dem Supermarkt von einem Kerl angesprochen und ich wusste absolut nicht, was er von mir wollte. Er wollte sich allerdings nur schwer abschuetteln lassen und da hab ich echt fuer einen Moment etwas Schiss bekommen.
Oft fuehle ich mich regelrecht sprachlos und ich sitze oft nur dabei waehrend andere reden und versuche verzweifelt irgendwas von dem schnell gesprochenen Japanisch zu verstehen.
Ich kann gar nicht sagen wie sehr ich im Moment ein richtiges Gespraech geniesse. Zum Beispiel war ich gestern mit einem Studenten aus meinem Research-lab essen und wir haben uns auf Japanisch und Englisch unterhalten.
Allerdings bleiben solche Gespraeche meist simpel und ich habe das Gefuehl, dass vieles ungesagt bleibt - allerdings gehoert das "Zwischen den Zeilen lesen" auch hier irgendwie mit zur Kultur.

Trotzdem geht's mir hier gut und ich geniesse mein Leben in Japan :)

Montag, 15. April 2013

Erstes Wochenende in Aizu

Die Orientierungswoche endete natürlich nicht am Freitag sondern ging quasi noch das ganze Wochenende weiter.
Samstags konnten wir zum Glück etwas ausschlafen und gegen Mittag sind wir dann los gegangen zu einer Veranstaltung für neue Studenten über die Freizeitaktivitäten an der Universität.
Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten in Deutschland gibt es hier für alles Mögliche Clubs, das fängt bei den klassischen Gruppen für Orchester, Bands und Chöre an und geht bis hin zu Clubs für Mangas und Spieleentwicklung. An der Universität gibt es dann auch eine ganze Reihe an Clubräumen wo sich die jeweiligen Gruppen einrichten können und regelmäßige Treffen veranstalten.
Bei der Veranstaltung am Samstag waren in der Mensa überall Stände für die einzelnen Clubs aufgebaut worden und zwischendurch haben die musikalisch angehauchten Gruppen dann für Unterhaltung gesorgt. Natürlich gab es währenddessen die ganze Zeit leckere japanische Häppchen und Sushi - echt krass wie man die Japaner dabei beobachtet wie sie Chips mit Stäbchen essen ;D

Ich habe mich für den Outdoor-Club und den Triathlon-Club eingetragen - bisher habe ich dafür zwar noch keine passende Ausrüstung aber das kann ja noch kommen und man ist so weit ich das verstanden habe, habe ich mich auch zu nichts verpflichtet.
Am Ende wurde dann noch eine Runde Bingo gespielt. Ich hab allerdings nicht teilgenommen, weil ich die Zahlen nicht so schnell verstehen konnte und mich so große Menschenmassen echt kirre machen.
Wie die Japaner so sind haben sie sich natürlich auch was niedliches für die Übergabe der Preise einfallen lassen: Es gab drei äußerst hübsche Glücksfeen.
Ich weiß nicht, ob man das in der kleinen Version hier so gut sehen kann aber auch die adrette Dame links ist nicht so weiblich wie sie erscheint ;D
Witzigerweise wurden dann auch alle männlichen Preisträger nach der äußerst höflichen Übergabe des Preises einmal ordentlich durchgeknuddelt - lediglich einer der Kerle konnte rechtzeitig entkommen ;-)

Samstag abend war es ziemlich ruhig in der WG und nach einem gemeinsamen Abendessen sind alle recht früh schlafen gegangen.

Sonntags gab es morgens ein kleines Frühstück und wieder gegen Mittag sind dann alle WGs vom Wohnheim in das Sportzentrum der Uni gegangen, um ein kleines Volleyballturnier zu machen.

Bei Ansprachen saßen alle immer brav in Reih und Glied
Bei etwa 60 Teilnehmern waren fast alles Kerle (es gibt ja schließlich nur eine WG mit Frauen) und auch fast nur Erstsemester - schließlich wohnen diese zusammen mit jeweils einem älteren Studenten (dem Senpai).
Im ersten Durchgang wurden die Teams bunt zusammen gewürfelt und obwohl ich echt aus der Übung war hat das richtig viel Spaß gemacht.
Coole Sporthalle auf dem Campus während des Turniers
Danach gab es dann japanisches Curry in der Mensa (allerdings von den Studenten am Vorabend gekocht) - das war einfach nur mega lecker. Da saß ich dann am Tisch mit den einzigen anderen internationalen Studenten vom Turnier... einer kleinen Truppe an Taiwanesen. Es ist echt ein tolles Gefühl, wenn die Leute am Tisch quatschen (auf Mandarin diesmal) und ich mir keine Gedanken darüber machen musste irgendwas zu verstehen.
Nach dem leckeren Essen gab es noch eine zweite Runde und diesmal bestanden alle Teams nur aus den Mitgliedern der jeweiligen WG - was natürlich dazu führte, dass es nur ein Team nur mit Mädels gab und der Rest von Kerlen dominiert war.
Die Mädels in meinem Team waren aber oft ziemlich schlecht was den Aufschlag angeht und unsere Betreuerin (Orihara-san) hat dann für uns ausgehandelt, dass alle Mädels eine zweite Chance für den Aufschlag bekommen und direkt vom Aufschlag erzielte Punkte doppelt zählen.
Da wir dann ansonsten gar nicht so schlecht waren hat das am Ende sogar gereicht um dieses Turnier zu gewinnen. Ernsthaft ich habe es noch nie erlebt, dass Frauen so höflich und wohlwollend behandelt wurden wie hier an der Uni. Da wurden beim Turnier auch alle Kerle ausgebuht, die zu viele Punkte für ihr Team geholt haben und das obwohl die meisten Japaner echt ehrgeizig sind, was sportliche Aktivitäten angeht.
In der Mitte Mai-san aus meiner WG
Insgesamt waren die meisten Japaner bisher unglaublich höflich, witzig und locker. Das macht mein Leben hier in Japan bisher wirklich angenehm und ich fühle mich auch sehr wohl an der Uni und im Wohnheim.

Abends haben wir dann den Geburtstag von Big Mike gefeiert - natürlich in seiner WG mit einem Haufen an Gästen... immerhin kennt jeder auf dem Campus Big Mike.
Er hatte sich Okonomiyaki gewünscht - eine Spezialität aus Osaka. Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass mich dieses Gericht entfernt an französische Quiche erinnert. Im Prinzip ist das auch nur ein Teig aus Mehl und Eiern mit viel Gemüsezeugs und Lauch drin. Drüber kommt dann noch in hübscher Form etwas Majo und noch eine Art Soja-Creme.
Zum Nachtisch durfte natürlich auch die Geburtstagstorte mit Sahnecreme und Erdbeeren nicht fehlen. Witziger Gag der Betreuer: in Mike's Stück wurde eine ansehnliche Portion gekochter Krabben versteckt, was ihn offensichtlich beim Genuss seines (riesigen) Stückes nicht weiter gestört hat.
Die Party endete mit einem Besäufnis - nach dem Wunsch von Michael - immerhin sollte das ja die Party für einen echten Amerikaner sein.

Dienstag, 9. April 2013

Orientierungswoche

Am Tag nach der feierlichen Immatrikulation gab es einen kurzen Kurs über die Benutzung des internen Computersystems und wie man sich auf den Rechnern der Uni einloggen kann. Leider bestand ein großer Teil dieses Kurses aus einer langweiligen Erklärung einiger Befehle für Unix-Systeme. (Also echt die Basisbefehle, die ich jetzt schon 4 oder 5 Mal in irgendwelchen Veranstaltungen gelernt habe...)

Ich habe mir dann von dem Büro für internationale Studenten noch eine weitere Bettdecke ausgeliehen, da es hier im Moment noch recht kalt ist.

Donnerstags bin ich nach dem Mittagessen mit Big Mike und ein paar Japanern zum Karaoke gegangen und das war wirklich total witzig. Auch wenn ich es immer noch extrem schwierig finde so schnell zu lesen. Leider habe ich auch noch eine Vorliebe für schnelle japanische Songs... ;D
Danach war dann um 3 Uhr mein Meeting von der Forschungsgruppe und ich habe endlich mal alle Mitglieder kennen gelernt. Die Gruppe wird von Prof. Pham geleitet und hauptsächlich beschäftigt er dort eine chinesische Post-Doktorandin und einen japanischen Master-Studenten. Ganz neu dann noch mich und 4 japanische Studenten, die gerade im 3. Jahr von ihrem (4-jährigen) Bachelor sind.
Wie erwartet war das Meeting für mich angenehm, immerhin war alles auf Englisch - die japanischen Studenten wirkten oft ziemlich verloren.

Wir haben dann alle einen Büroplatz und einen eigenen Laptop zugewiesen bekommen (ich natürlich den neusten, den sie gerade da hatten). Außerdem gibt es in dem Research Lab auch noch einen Kühlschrank nur für uns paar Studenten ;D
Das ist das gute Stück ;-)
Effektiv hat man hier das Gefühl, dass die Studeten sehr viel Zeit in der Uni verbringen. Das hatte ich schon bei der Tour über den Campus gemerkt als man uns die "Living and Research Unit" gezeigt hat. Im Prnzip ist das ein Sportzentrum an der Uni mit angeschlossenem Schlafsaal - für die hypermotivierten japanischen Studenten, die nachts lieber bleiben wollen, um möglichst lang zu arbeiten.

Die Reihe vorne "gehört" uns - man beachte die Matratzen im Hintergrund
Bei der Gelegenheit hat Professor Pham für mich die Kurse ausgewählt - insgesamt muss ich 8 Vorlesungen besuchen und wir haben uns darauf geeinigt, dass ich alle schon im ersten Jahr abschließen werde. Das heißt, dass wir 4 Vorlesungen aus etwa 30 auswählen mussten, die nicht zu schwer waren aber zum Forschungsthema passen und sich nicht überschneiden.
Nach langen Hin und Her konnte ich mich dann kurz vor der Deadline für die Kurse registrieren.

Freitags war es dann morgens Zeit für die medizinische Untersuchung aller Studenen - untersucht wurden: Gewicht + Größe, Augenstärke, Blutdruck, Urin und es wurde eine Röntgenaufnahme vom Oberkörper gemacht.
Dazwischen musste man natürlich ewig warten... dabei konnte ich allerdings zum Glück mit einem sehr netten Studenten aus Tunesien reden. Der hat mir dann noch wirklich weiter geholfen und die 3 Stunden für die paar Messungen sind zum Glück schnell vergangen.
Nach einem leckeren Mittagessen in der Mensa musste ich um 1 wieder zum Büro für die internationalen Studenten. Dort nahm uns eine nette Dame mit zum Rathaus, damit unsere Addresse auf die Residence Card geschrieben werden konnte. Zusätzlich mussten wir noch der gesetzlichen Krankenversicherung und der Rentenversicherung beitreten. Zum Glück haben wir auch gleich einen Antrag auf Befreiung von jeglichen Beiträgen gestellt, da wir ja als Studenten quasi kein Einkommen haben.

Das hat insgesamt natürlich auch wieder 2 Stunden gedauert und es war auch ziemlich anstrengend die ganzen Formulare auszufüllen.
Abends hat sich dann eine größere Gruppe an Studenten bei uns in der Küche versammelt und es gab eine ziemlich coole Party. Den Alkoholpegel hat Big Mike angegeben... das heißt, dass ich echt schnell betrunken war (und auch einige der Japaner).
Trotzdem ein witziger Abend und nach der ganzen Förmlichkeit und den vielen Formularen war das eine willkommene Abwechslung.