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Mittwoch, 28. August 2013

August in Aizu

Der August in Aizu ist schon ziemlich heiss - nicht unbedingt wegen den Temperaturen allein. Das sind durchschnittlich so etwa 33 Grad am Mittag in der Sonne. Das Problem ist die hohe Luftfeuchtigkeit und zusätzlich hat es quasi jeden Tag über 30 Grad. Die ersten Tage ist das noch ganz cool aber irgendwann will man dann auch wieder eine Abkühlung haben.
Ich war an einem Nachmittag auch auf einer kleinen Radtour in Aizu und habe in der Nachbarschaft hier so ein niedliches Anwesen gefunden.
Ein traditionelles Anwesen nahe der Uni
Mir gefällt der Baustil hier in Japan wirklich sehr gut, auch wenn viele Japaner sagen, dass es im Sommer in solchen alten Häusern viel zu heiss wird. Es wollen ja auch nicht alle Deutsche in einem Fachwerkhaus wohnen ;-)
Ein paar Tage später war ich dann mit ein paar der Jungs aus dem Lab in einem Restaurant essen. Es war ein kleines Restaurant, ziemlich schlicht eingerichtet in einem alten Bauernhaus. Das interessante daran war das Essen - im Prinzip hatte da jeder Tisch seinen eigenen Grill:
Grillen im Restaurant
Das echt mal wieder lustig und die Jungs waren auch gut drauf, da die Prüfungszeit gerade vorbei war.
Suzuki und Hasegawa warten ungeduldig auf das Essen ;D
Im Lab gibt es wie immer viel zu tun und gerade im Moment sind eigentlich Sommerferien, da fällt es wirklich schwer überstunden im Büro zu machen, während die anderen zu Hause bei ihren Familien faulenzen.
Glücklicherweise fliege ich morgen dann auch nach Europa für 2 Wochen - das wieder sicher wieder ein krasser Kulturschock. Wenn alle Leute plötzlich wieder so unfreundlich sind und auf der Strasse beim Gehen essen.
Ich bin gespannt! ;-)

Samstag, 3. August 2013

Japanese and Aizu culture Seminar

Eine Woche lang hat das Buero fuer internationale Angelegenheiten der University of Aizu ein Seminar veranstaltet fuer Auslaender, die sich fuer die Japanische Kultur interessieren. Man koennte natuerlich sagen, dass man hier mitten im "Inaka"(=auf dem Land) ja genug mit der japanischen Kultur in Kontakt kommt, aber ganz so einfach ist die Sache dann auch wieder nicht. Schliesslich bekommt man selten etwas auf Englisch erklaert und dann ist man in der Regel auch relativ isoliert und westlich angepasst auf dem Uni Campus.
Also habe ich mal wieder diese Chance genutzt mein Japanisch zu verbessern und ein paar neue Leute zu treffen. Ich wurde in Kurs 2 eingestuft (im Prinzip gab es dort nur 2 Level: ein (Anfaenger-)Kurs auf Englisch und einen auf Japanisch).
In meinem Kurs war ausser mir nur eine andere Auslaenderin: Hon-san, die vietnamesische Frau eines Professors hier an der Uni. Dann war da natuerlich noch unsere super freundliche Lehrerin Frau Kato, die uns wirklich mit grosser Begeisterung von japanischem Essen und japanischer Kultur erzaehlt hat.
Am ersten Tag haben wir vor allem ueber das Essen in Japan und anderen Laendern geredet und man hat mir bei der Gelegenheit auch immer wieder gesagt, dass mein Japanisch schon hervorragend sein soll. Ich bin mir da im Alltag meist ja nicht so sicher aber es stimmt schon, dass ich mich mittlerweile schon ganz gut unterhalten kann (wenn der zuhoerende Japaner gewillt ist mich zu verstehen).
Frau Kato in traditioneller Ausruestung mit japanischem Langbogen
Am zweiten Tag haben wir uns dann mit budo (Sport) und shodo (Schrift) beschaeftigt.Wir haben ueber diverse japanische Sportarten geredet und es gab wieder grosse Verblueffung als ich erklaert habe, dass ich schon in Deutschland Ninjutsu (die Kunst der Ninja) an der Uni ausprobiert habe.

Spaeter durften wir uns dann ein Schriftzeichen aussuchen und es mit so einem Federstift auf ein kleinen, mit Papier bespannten Rahmen malen. Ich habe "Kokoro" ausgewaehlt, was "Herz" bedeutet - unter anderem, da es ziemlich einfach mit nur 4 Strichen ist.
Jaja, Herz schreibt man eigentlich gross aber ich fand das so huebscher :/
Am Tag darauf haben wir dann so lustige Figuren bemalt. Auf Japanisch haben die einen schrecklich langen namen '起き上がり小法師', das heisst frei uebersetzt etwa "Stehaufmaennchen". Das trifft die Funktion von dieser Figur allerdings sehr gut, da man die Figur antippen kann und sie sich immer wieder aufrichtet. Kinder bekommen diese Maennchen von ihren Eltern geschenkt, um sie zu ermuntern auch nach Niederlagen wieder aufzustehen und weiter zu machen.

起き上がり小法師 (gelesen als: okiagarikoboshi), ganz rechts orginal Bemalung, die anderen free-style Bemalung
Einen Tag haben wir dann ueber die Geschichte von Aizu gesprochen und eine Folge von "八重の桜" angeschaut, eines bekannten Historiendramas ueber eine Frau aus Aizu, die am Ende des Shogunats bei einer entscheidenden Schlacht in Aizu mitgekaempft hat und spaeter in Kyoto einen Auslaender geheiratet hat.
Am letzten Tag der Woche haben wir dann mit beiden Kursen zusammen eine Sake-Brauerei besichtigt. Allerdings ist die Herstellung von Bier und von Sake irgendwie aehnlich, auch wenn Sake wesentlich staerker ist als Bier.
Verschiedene Reissorten, die zur Herstellung von Sake geeignet sind
Ich finde es immer schoen, dass es in Japan scheinbar noch wesentlich mehr kleine Familien-Unternehmen gibt, die nach ueberlieferter Tradition ihre Waren herstellen. Es gibt in der Gegend von Aizu auch noch sehr viele kleine Bauernhoefe und kleine Handwerksbetriebe.
Manchmal habe ich das Gefuehl, dass man in Japan Geschichte und Moderne besser in Einklang bringt als in Deutschland. 

Mittwoch, 31. Juli 2013

Hanabi in Shiokawa

Am Sonntag gab es ein Feuerwerk in Shiokawa, einem Dorf in der Naehe von Aizu. Solche Feuerwerk-events werden in Japan Hanabi (花火, Blume + Feuer) genannt, nicht zu verwechseln mit Hanami (花見, Blume + schauen) dem traditionellen Kirschbluetenglotzen. Ich vermute mal, dass das Wort ausdruecken soll, dass Feuerwerk wie brennende Blumen am Himmel aussieht.
Solche Feuerwerke sind in Japan immer grosse Gesellschaftsereignisse, bisschen wie Volksfeste in Deutschland auch (etwa dem Maifest oder einer Kirmes). Man kann es es aber wohl am besten mit dem Oktoberfest vergleichen, Leute ziehen sich traditionelle Kleidung an und gehen in Gruppen auf das Fest, um gut zu essen und zu trinken. Waehrend in Deutschland das Trinken im Vordergrund steht, scheint das in Japan das Essen zu sein (was wuerde man von Japan sonst auch erwarten ;D).

Um fuer die ganzen Staende auch genug Platz zu haben, waehlt man dafuer scheinbar auch gern mal kleinere Staedte und Doerfer aus - wie in diesem Fall Shiokawa, das etwa 10 Minuten mit dem Zug von Aizu entfernt ist.
beleuchtete Staende + Japaner in modernen sowie traditionellen Klamotten
Bei so einem Matsuri (Volksfest) ist immer richtig viel los - ich moechte gar nicht wissen wie krass sowas in den grossen Staedten sein muss. Dort waren dann aber hauptsaechlich Japaner (wie immer in Fukushima) und nur selten hat man mal ein nicht so japanisches Gesicht erhaschen koennen (von denen kannte ich witzigerweise aber alle schon).
Irgendwie habe ich mich ja schon ein bisschen schlecht gefuehlt, dass ich noch keinen Yukata (so eine Art sommerlichen Kimono) habe - eigentlich ist das bisschen so als wuerde man aufs Oktoberfest ohne Dirndl gehen. Ich hab mir dann ein buntes Sommerkleid angezogen und gehofft, dass ich nicht ganz so casual aussehe... die Japaner hats offenbar nicht gestoert, ich hab an dem Tag mehrfach gesagt bekommen, dass ich ja ein huebsche Auslaenderin sei - tja der Exotenbonus ist schon was tolles ;-)
Quasi jeder Stand dort hat was zu Essen im Angebot gehabt, von Yakisoba (gebratenen Nudeln) ueber Okonomiyaki (diese leckeren "Pizza"-Dinger, nach Osaka-Art oder Hiroshima-Art wahlweise) bis hin zu Crepes. Bei den Crepes wurde ich dann aber doch stutzig als ich sah, dass man zwar kein Nutella im Angebot hat aber dafuer eine Variante mit Salat und Wuerstchen oO

Crepe mit Salat und Wuerstchen oder mit Salat und Schinken
Gut sind da immer diese Plastik-Versionen von den Gerichten, damit kann man sich in Japan auch ohne Sprachkenntnisse wunderbar orientieren und bekommt gleich einen guten Eindruck vom Essen, auch wenn man wie beim Crepe nicht reingucken kann.
Die Preise dort waren aber untypisch fuer Japan ziemlich hoch, ein Gericht bzw ein Becher Bier hat in der Regel etwa 5 Euro gekostet.

Ich bin mit Paul (dem schottischen PhD, der momentan fuer etwa 3 Monate hier ist) und einem Japaner hingegangen.
Paul und Daisuke
Wir haben dort auch einige Bierchen gebechert und nach dem 4ten Bier habe ich dann allerdings beschlossen, dass das genug sein sollte - ich war da dann auch schon betrunken genug mir ein Teil von meinem Bier uebers Kleid zu schuetten.

Und dann so um halb acht fing dann endlich das Feuerwerk an und ich muss sagen, da hat sich das Warten wirklich gelohnt.

Super Feuerwerk :-)
Das ganze Feuerwerk ging etwa eine Stunde lang - selbst an Silvester haben die meisten Leute nach 20 Minuten in Deutschland ja schon alle Raketen abgeschossen, daher war das irgendwie mal richtig cool, dass das so lange gedauert hat.
Leider ist meine Kamera nachts nicht so gut, daher sind die Fotos nur mittelmaessig geworden. Weils so cool war hier aber noch ein Foto ;-)


Also ich muss sagen, dass ich echt empfehlen kann in Japan zu so einem Hanabi zu gehen. Es war ein riesen Spass und besonders toll, weil man in einer lauen Sommernacht ganz in Ruhe ein Feuerwerk angucken kann - anders als in Deutschland im kalten Winter draussen rum zu stehen.  


Abendessen mit allen aus meinem Lab

Nach einem der zweiwoechentlichen Lab meetings haben wir beschlossen alle einmal richtig ordentlich essen zu gehen. Dafuer sind wir in ein Restaurant nahe dem Bahnhof von Aizu gefahren und haben uns sicherheitshalber auch einen Tisch reserviert, zwar gibt es in Japan echt viele Restaurants aber dafuer auch umso mehr Japaner, die gern essen gehen.
Dort haben wir erstmal die Spezialitaeten von Aizu probiert 'Bazashi' (das rohe Pferdefleisch) und 'Kozuyu' (eine Suppe mit viel Berggemuese).
Kozuyu - etwas fade aber lecker
 
So ein kleines Gemuesesueppchen ist schon was feines, auch wenn es wenig Geschmack hatte (verglichen mit so mancher deutschen Suppe).
Da wir von unserem Professor eingeladen wurden haben wir uns dann auch mal noch einen richtig leckeren, grossen Fisch gegoennt.
Suzuki-san und Hasegawa-san mit dem grossen Fisch
Ich kann mich leider nicht mehr daran erinnern, was fuer ein Fisch genau das war, aber er war wirklich total lecker. Interessant war auch, dass wir gleich so kleine Waschlappen mit dem Fisch zusammen "serviert" bekommen haben, damit man sich auch ordentlich die Haende abwaschen kann, nachdem man die Graeten entfernt hat.
Das war allerdings nur die "Vorspeise", der Hauptgang bestand dann aus Sushi und Sashimi (rohem Fisch). In Sachen Praesentation von Speisen koennten quasi alle Restaurants in Deutschland echt mal was von den japanischen lernen... Ich hab echt noch nie so ne coole Dekoration fuer Essen gesehen wie in Japan:

Rohe Fischhaeppchen serviert auf einem Boot
Alles ausser der Suppe und dem Nachtisch haben wir an meinem Tisch uebrigens geteilt - was bei so einer Auswahl echt klasse ist, weil man sich wie bei einem Buffet ueberall mal durchfuttern kann, ohne dass man am Ende auf einem Berg Essen sitzen bleibt.

Als Nachtisch haben wir dann so ein kleines Stueck Matcha-Tiramisu ausgewaehlt. Matcha ist das Pulver fuer den gruenen Tee und ich kann nur sagen, dass diese Kombination im ersten Moment vielleicht komisch klingt aber der Nachtisch hat mindestens so geil geschmeckt wie die Gaenge davor.

Isa, Ying und der Nachtisch <3
Das war wirklich ein mega lustiger Abend und Professor Pham war auch richtig gut drauf. Nach einem Bier hat er vorgeschlagen, dass wir alle zusammen campen gehen sollten - natuerlich muss man dann auf die Baeren aufpassen. Aber falls man auf einen Baer trifft kann man den ja jagen und nett grillen ;D
Bei der Vorstellung von so einem Barbecue haben selbst die etwas reservierten Japaner herzlich gelacht. 


Mittwoch, 24. Juli 2013

Alltag, Forschung und der Aufreger der Woche

Irgendwie schreibe ich hier immer nur ueber besondere Aktivitaeten und Ereignisse - natuerlich habe ich hier in Japan auch einen ganz normalen Alltag (auch wenn ich hier immer wieder kleine Abenteuer habe). Da muss ich regelmaessig einiges an Papierkram erledigen und ich verbringe viele Stunden im Buero mit Forschung.
Letzte Woche wars mal wieder besonders krass, da mussten 500 Bilder von meinem selbst geschriebenen Programm verarbeitet werden. Insgesamt hat das auf meinem langsamen Computer etwa 2 Tage gedauert.
Theoretisch kann man den Computer einfach laufen lassen aber sicherheitshalber muss man immer mal wieder drauf gucken, um das Programm neu zu starten im Falle eines Fehlers. (was zum Glueck aber in der Zeit nur ein Mal passiert ist und da konnte ich das Problem auch schnell beheben.)
Trotzdem habe ich viele Naechte im Buero verbracht und auch viele Sonnenaufgaenge beobachten koennen. Da sass ich also ganz allein im grossen Grossraumbuero und natuerlich war ich irgendwann auch zu muede zum Arbeiten... also habe ich angefangen bissel Quatsch zu machen ;D
Mein Kollege am naechsten Tisch hat so ein niedliches Stofftier an seinem Platz und mit dem habe ich einfach mal eine kleine Foto-session gemacht:
Yeah - allein im Buero
Das Stofftier heisst uebrigens ねむネコ, was so viel bedeutet wie 'schlaefriges Kaetzchen' - allerdings ist es eigentlich nur der Kopf vom Kaetzchen. Hier in Japan ist es irgendwie voellig normal, wenn Jungs auch niedliche Stofftiere oder ein rosa Handy haben, hauptsache kawaii~ (=niedlich).

Am naechsten Tag (nach einer Runde ordentlichen Schlafs) habe ich dann beschlossen, dass das schon irgendwie ziemlich unhoeflich dem Stofftier gegebenueber war - also habe ich beschlossen dem Kaetzchen ein niedliches Haus im Gegenzug zu basteln.
Europaeisches Haeuschen fuer das niedliche Kaetzchen
Mein Kollege fand das ganze uebrigens sehr witzig (auch wenn er mich jetzt sicherlich fuer bekloppt haelt xD)

Tja kommen wir zum Aufreger der Woche, der auch mich ziemlich aufgeregt hat. Das Wohnheim der Uni ist fuer mich eigentlich eine echt tolle Sache - dadurch kann ich nah an der Uni wohnen und brauchte mich weder um den Papierkrams noch um Moebel zu kuemmern. Ausserdem ist der Preis wahrscheinlich unschlagbar, da das Wohnheim ja direkt zur Uni gehoert.
Im Wohnheim gab es schon die ganze Zeit die Regel, dass man nur Maedchen in die Zimmer lassen durfte (aber der Gemeinschaftsbereich war fuer alle Geschlechter okay). In Deutschland gibt es ja auch jetzt eher selten noch Wohnheime mit komplett Geschlechter-getrennten WGs. Aber na gut, das ist halt Japan und ich habe mich damit arrangiert.
Allerdings gab es jetzt kurzfristig eine Regelaenderung wodurch nur noch Maedchen die Maedchen-WG betreten duerfen (und anders herum auch fuer die Jungs-WGs). Da fast alle meiner Freunde hier an der Uni aber maennlich sind, kann ich dadurch quasi niemanden mehr in die Kueche vom Wohnheim einladen.
So eine Regel kommt mir schon ziemlich krass vor - immerhin ist es nunmal ein Wohnheim, in dem nur volljaehrige Leute wohnen und der Kuechenbereich ist in meinen Augen echt nicht kritisch.
Im Wohnheim gibt es dadurch jetzt einen Sturm der Entruestung - immerhin gibt es Paerchen von Jungs und Maedels im Wohnheim, die dadurch nicht mal mehr zusammen Mittagessen koennen.

Ich hab fuer morgen Paul zum Mittagessen eingeladen - er kann quasi keinen Aerger bekommen, immerhin ist er nur fuer 3 Monate als Gast in Aizu und als Auslaender kann er immerhin behaupten, dass er keine Ahnung von nichts hatte (obwohl ich ihm die Lage vorher erklaert habe).

Ich habe nicht vor diese Regel so hin zu nehmen, wie sie ist - immerhin bevorzugt die Regel maennliche Bewohner, da sie an einer Informatik-Uni wesentlich mehr maennliche Freunde haben koennen, als ich je weibliche Freunde finden koennte.

Salsa-party, Volleyball und Barbecue 2.0

Nach dem Stress und meinem Kurztrip nach Osaka und Kyoto habe ich die folgende Woche etwas ruhiger angehenlassen und absichtlich wenig Zeit im "Buero" verbracht.
Donnerstags habe ich fuer die Jungs aus meinem Lab, Ying und Paul einen kleinen DVD-abend organisiert. Wir haben einen amerikanischen Film auf Englisch mit japanischen Untertiteln geguckt - ich wollte, dass wir alle mal ein bisschen angenehmes Englisch von Muttersprachlern hoeren. (Bei Paul hatte das wie erwartet wenig Lerneffekt aber er schien sichtlich froh ueber gutes Englisch zu sein ;-) )
Freitags habe ich dann mit Paul und Bektur Lasagne gekocht und danach haben wir einen witzigen schottischen Film geguckt. Dabei haben wir dann (wirklich wenig) Bier getrunken und hatten trotzdem richtig viel Spass.
Samstags habe ich ein wenig im Buero gearbeitet und habe mich gegen abend wieder mit Paul und Bektur getroffen um gemeinsam mit Anna (der Polin, die gluecklicherweise erstaunlich gut Deutsch spricht) zu einer Salsa-party zu gehen, die von Julian veranstaltet wurde. Julian hat in Aizu studiert und kommt urspruenlich aus Kolumbien (daher auch Salsa) - mittlerweile ist er als akademisches Personal zurueck an der Uni. Echt erfreulich, dass die Uni so gute Leute halten kann - das ist immer ein gutes Zeichen finde ich.
Yeah Salsa-party (Photo by Cohen)
Die Salsa-party war ein echter Erfolg und alle hatten sichtlich viel Spass - es hat mir auch richtig gut getan mal wieder ordentlich tanzen zu koennen. Leider ist meine Kamera nachts echt mies, sonst haette ich gern ein paar Fotos gemacht.
Bektur hat sich bei der Gelegenheit auch mal wieder ordentlich betrunken und angeblich kann er sich auch nicht mehr an alles erinnern - son Pech, dass er zumindest halber Asiate ist. Ich hab dafuer von der "Latino-Fraktion" gesagt bekommen, dass ich wesentlich besser tanzen kann, als man es von mir als 'steife Deutsche' erwartet hat - tja, mehrere Jahre Bauchtanz zahlen sich irgendwann doch aus ;-)

Sonntags habe ich dann richtig lange geschlafen und wieder den Nachmittag im Buero verbracht. Bektur kam dann gegen Nachmittag vorbei und wir haben zusammen Spaghetti gekocht - naja, er hat hauptsaechlich zugeguckt ;D
Gegen 5 Uhr habe ich dann mal beschlossen beim Volleyball-team vorbei zu schauen, nachdem Bektur sich das auch schon getraut hat. Das hat irgendwie mal wieder richtig gut getan und ich habe auch wieder interessante Leute kennen gelernt (vor allem Japaner versteht sich). Wie immer waren sie sehr scheu aber es hilft schon sehr, wenn man ein wenig auf Japanisch kommunizieren kann.

Montags war dann in Japan 'Marine Day' (15. Juli) deshalb gab es keine Kurse an der Uni und die Japaner haben die Zeit fuer Ausfluege genutzt. Auf der Salsa-party wurde ich netterweise von einem amerkanischen Professor zu einem Barbecue von seinem Lab eingeladen.

Wieder sind wir an den Inawashiro-See gefahren und haben am Strand gegrillt. Ich konnte mir dabei die Gelegenheit nicht entgehen lassen und habe die Gelegenheit genutzt wieder im See schwimmen zu gehen - die Wassertemperatur war echt herrlich. Die japanischen Weicheier haben sich natuerlich mal wieder am laufenden Band ueber die Kaelte beschwert ;-)

obligatorischesGruppenfoto (photo by Cohen)

Eigentlich ist es ziemlich unueblich, dass man von anderen Labs zu Aktivitaeten mitgenommen wird aber als seltener Auslaender hat man da manchmal echt Glueck :-)

Mjam mjam, wie immer lecker



Wir haben dann auch dieses lustige Spiel mit der Wassermelone gespielt. Eine Person wird ausgewaehlt, der dann die Augen verbunden werden und dann muss man sich an Hand der Stimmen orientieren und die Wassermelone mit einem Stock treffen, bis sie komplett kaputt ist. In der Regel schafft das eine Person aber nicht, wodurch meist mehrere Leute mal probieren duerfen - auch ich ;D

Der Versuch die Melone zu treffen... (photo by Cohen)

Montag, 15. Juli 2013

Kyoto - die Stadt der Tempel und Schreine

Nach der harten Arbeit habe ich dann beschlossen, dass ich auch unbedingt mal Kyoto sehen muss - immerhin ist die Stadt nach Tokio einer der groessten Touristen-Magneten Japans.
Also hab ich fuer 2 Naechte ein Bett in einem Hostel gebucht und das Hostel hat mich echt positiv ueberrascht. Es war zwar etwas schwer zu finden ansonsten aber echt super - ich hab in einem "Schlafsaal" mit 4 Betten geschlafen aber die Betten waren in so einer Art kleinen Hoehle, wo jeder einen eigenen Vorhang hatte, wenn man in Ruhe schlafen wollte. Auch die Lounge mit Kueche und die Sanitaeranlagen waren echt top.
Natuerlich habe ich es auch sehr genossen da viele Auslaender zu treffen und mal nicht von allen angestarrt zu werden - absolut angenehm nach 3 Monaten in Fukushima.

Aber erstmal schoen der Reihe nach: Auf Empfehlung von Prof. Pham habe ich dann den Doktoranden aus Muenster mitgenommen, da dieser kein Japanisch konnte und es wesentlich angenehmer ist sightseeing zu zweit zu machen.
Auf dem Weg von Osaka nach Kyoto "wurden wir geholfen" - da mussten wir nur zum Ticketautomaten hin laufen, da kam schon ein Japaner aus der Menge angehuepft und hat uns das richtige Ticket ausgewaehlt - und uns dann auch nochmal danach erklaert an welches Gleis man gehen muss.
Kaum am Gleis angekommen kam der naechste zu uns und hat uns erklaert welchen Zug wir an welchem der beiden Gleise man am besten nehmen sollte und wann wir aussteigen muessen (als koennte man so einen Bahnhof wie den Hauptbahnhof von Kyoto verpassen...). Total krass wie einem da immer alle helfen ohne dass man ueberhaupt fragen muss.
Wir sind dann zu Nijo-Castle gegangen - so einer Art Residenzpalast des Shoguns zu Zeiten als Kyoto noch Hauptstadt war (deshalb sind da auch so viele alte Tempel und Schreine). Allerdings waren dort die Informationstafeln nur duerftig mit Englisch beschriftet und man haette einen Guide gebraucht, um wirklich etwas tieferes ueber den Ort zu erfahren. Echt schade!
Leider hat dann ein heftiger Regenschauer angefangen und wir haben eine Weile im Schloss gewartet, bis wir schliesslich in ein Restaurant in der Naehe gefluechtet sind. Mit meinen Japanisch-Kuensten konnte ich dann dem Kellner erklaeren, dass der deutsche Doktorand Vegetarier ist, das ist echt schwierig bei japanischer Kueche, da in der Regel Fisch oder Fleisch bei den Gerichten dabei ist. Wir haben dann eine Nudelsuppe bestellt, bei der extra das Fleisch durch Ei ausgetauscht wurde.
Danach waren wir noch am goldenen Tempel und Kaffee-trinken an der Shopping-Meile von Kyoto. Gegen 18 habe ich dann im Hostel eingecheckt, mich von dem Doktoranden verabschiedet und mich mit einer Freundin getroffen, die mit mir in Greifswald studiert hat und jetzt fuer fast ein Jahr in Kyoto gelebt hat.
Wir waren zusammen in einem all-you-can-eat-Restaurant im Zentrum von Kyoto und ein klein wenig shoppen. Hauptsaechlich haben wir uns natuerlich ueber unser Leben in Japan unterhalten und was wir bisher so alles erlebt haben.
Gegen 22 Uhr war ich sass ich dann total erschoepft in der Lounge von meinem Hostel und habe mich mit einigen Auslaendern unterhalten und dabei auch eine kleine Reisegruppe an japanischen Studenten kennen gelernt.
Am naechsten Tag habe ich dann ein kleines Fruehstueck im Hostel gegessen (das war bei 30 Euro Uebernachtungsgebuehr inclusive - echt cool). Danach wollte ich dann allein auf eigene Faust Kyoto erkunden - allerdings bin ich nur nach 200 Metern in die japanische Reisegruppe vom Vorabend gestolpert. Mit denen bin ich dann ins Aquarium von Kyoto gegangen und danach mit dem Zug zu einem Tempel ausserhalb der Stadt.
Tempel mit vielen roten Toren

Es war echt super, dass ich nicht alleine sein musste, allerdings war es auch anstrengend sich einen ganzen Tag nur auf Japanisch zu unterhalten und es war eine echte Herausforderung fuer mein Gehirn nach dem ganzen Deutsch am Tag davor. Wenn ich bedenke wie schwer es am Anfang noch fuer mich war mich ordentlich selbst vorzustellen, ist das schon eine beachtliche Entwicklung meiner Japanisch-Kenntnisse.
Am abend war ich noch ein wenig allein shoppen und wurde von den Japanern zu einem Barbecue eingeladen. Am naechsten Tag ging es dann leider schon wieder zurueck nach Aizu - aber ein bisschen froh war ich dann schon wieder von diesen riesigen Menschenmengen weg zu kommen. In Aizu ist es im Vergleich wesentlich friedlicher und entspannter.