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Montag, 15. Juli 2013

Kyoto - die Stadt der Tempel und Schreine

Nach der harten Arbeit habe ich dann beschlossen, dass ich auch unbedingt mal Kyoto sehen muss - immerhin ist die Stadt nach Tokio einer der groessten Touristen-Magneten Japans.
Also hab ich fuer 2 Naechte ein Bett in einem Hostel gebucht und das Hostel hat mich echt positiv ueberrascht. Es war zwar etwas schwer zu finden ansonsten aber echt super - ich hab in einem "Schlafsaal" mit 4 Betten geschlafen aber die Betten waren in so einer Art kleinen Hoehle, wo jeder einen eigenen Vorhang hatte, wenn man in Ruhe schlafen wollte. Auch die Lounge mit Kueche und die Sanitaeranlagen waren echt top.
Natuerlich habe ich es auch sehr genossen da viele Auslaender zu treffen und mal nicht von allen angestarrt zu werden - absolut angenehm nach 3 Monaten in Fukushima.

Aber erstmal schoen der Reihe nach: Auf Empfehlung von Prof. Pham habe ich dann den Doktoranden aus Muenster mitgenommen, da dieser kein Japanisch konnte und es wesentlich angenehmer ist sightseeing zu zweit zu machen.
Auf dem Weg von Osaka nach Kyoto "wurden wir geholfen" - da mussten wir nur zum Ticketautomaten hin laufen, da kam schon ein Japaner aus der Menge angehuepft und hat uns das richtige Ticket ausgewaehlt - und uns dann auch nochmal danach erklaert an welches Gleis man gehen muss.
Kaum am Gleis angekommen kam der naechste zu uns und hat uns erklaert welchen Zug wir an welchem der beiden Gleise man am besten nehmen sollte und wann wir aussteigen muessen (als koennte man so einen Bahnhof wie den Hauptbahnhof von Kyoto verpassen...). Total krass wie einem da immer alle helfen ohne dass man ueberhaupt fragen muss.
Wir sind dann zu Nijo-Castle gegangen - so einer Art Residenzpalast des Shoguns zu Zeiten als Kyoto noch Hauptstadt war (deshalb sind da auch so viele alte Tempel und Schreine). Allerdings waren dort die Informationstafeln nur duerftig mit Englisch beschriftet und man haette einen Guide gebraucht, um wirklich etwas tieferes ueber den Ort zu erfahren. Echt schade!
Leider hat dann ein heftiger Regenschauer angefangen und wir haben eine Weile im Schloss gewartet, bis wir schliesslich in ein Restaurant in der Naehe gefluechtet sind. Mit meinen Japanisch-Kuensten konnte ich dann dem Kellner erklaeren, dass der deutsche Doktorand Vegetarier ist, das ist echt schwierig bei japanischer Kueche, da in der Regel Fisch oder Fleisch bei den Gerichten dabei ist. Wir haben dann eine Nudelsuppe bestellt, bei der extra das Fleisch durch Ei ausgetauscht wurde.
Danach waren wir noch am goldenen Tempel und Kaffee-trinken an der Shopping-Meile von Kyoto. Gegen 18 habe ich dann im Hostel eingecheckt, mich von dem Doktoranden verabschiedet und mich mit einer Freundin getroffen, die mit mir in Greifswald studiert hat und jetzt fuer fast ein Jahr in Kyoto gelebt hat.
Wir waren zusammen in einem all-you-can-eat-Restaurant im Zentrum von Kyoto und ein klein wenig shoppen. Hauptsaechlich haben wir uns natuerlich ueber unser Leben in Japan unterhalten und was wir bisher so alles erlebt haben.
Gegen 22 Uhr war ich sass ich dann total erschoepft in der Lounge von meinem Hostel und habe mich mit einigen Auslaendern unterhalten und dabei auch eine kleine Reisegruppe an japanischen Studenten kennen gelernt.
Am naechsten Tag habe ich dann ein kleines Fruehstueck im Hostel gegessen (das war bei 30 Euro Uebernachtungsgebuehr inclusive - echt cool). Danach wollte ich dann allein auf eigene Faust Kyoto erkunden - allerdings bin ich nur nach 200 Metern in die japanische Reisegruppe vom Vorabend gestolpert. Mit denen bin ich dann ins Aquarium von Kyoto gegangen und danach mit dem Zug zu einem Tempel ausserhalb der Stadt.
Tempel mit vielen roten Toren

Es war echt super, dass ich nicht alleine sein musste, allerdings war es auch anstrengend sich einen ganzen Tag nur auf Japanisch zu unterhalten und es war eine echte Herausforderung fuer mein Gehirn nach dem ganzen Deutsch am Tag davor. Wenn ich bedenke wie schwer es am Anfang noch fuer mich war mich ordentlich selbst vorzustellen, ist das schon eine beachtliche Entwicklung meiner Japanisch-Kenntnisse.
Am abend war ich noch ein wenig allein shoppen und wurde von den Japanern zu einem Barbecue eingeladen. Am naechsten Tag ging es dann leider schon wieder zurueck nach Aizu - aber ein bisschen froh war ich dann schon wieder von diesen riesigen Menschenmengen weg zu kommen. In Aizu ist es im Vergleich wesentlich friedlicher und entspannter.

Konferenz in Osaka

Dann war der Tag der Konferenz gekommen und ich war wieder erstaunlich ruhig, obwohl der Vortrag noch nicht auf dem Niveau der anderen Vortraege war.
Die Konferenz fand im Herzen von Osaka in einem riesigen Konferenzzentrum statt.
Im Konferenzzentrum (photo by Ying Chen)
Ich hab mir fuer den Tag extra ein niedliches Kleid gekauft - ich dachte, dass ich dann vielleicht wenigstens mit etwas positiv auffallen kann. Immerhin waren dort ausser Ying aus meiner Forschungsgruppe sonst keine Frauen in unserem Workshop und auch insgesamt waren wohl nicht so mega viele Frauen da.
Es war auch an dem Tag ziemlich heiss aber das Konferenzzentrum war angenehm klimatisiert.
Unser Workshop fand im 12. Stockwerk statt, in einem relativ kleinen Seminarraum. Ich schaetze mal, dass etwa 20 Forscher da waren - die meisten davon kannten Professor Pham schon.

Aussicht ueber die Innenstadt von Osaka
Die meisten Teilnehmer aus dem Workshop waren aus Asien (Korea, China und Japan vor allem) allerdings war ein Doktorand aus Muenster und ein Professor aus Magdeburg dabei. Schon merkwuerdig, wenn man nach so langer Zeit wieder so viel auf Deutsch redet aber irgendwie auch schoen mal ein bisschen was vom gesammelten Japan-Wissen weiter geben zu koennen.
Ich hab mich an viele Besonderheiten mittlerweile schon gewoehnt - da kommt man sich schnell wie ein Einheimischer vor ;D
Beim Vortrag (photo by Ying Chen)
Irgendwann am Nachmittag wars dann auch Zeit fuer meinen Vortrag und ich habe immerhin auch die schwierigen Woerter halbwegs gut ausgesprochen (hoffe ich zumindest). Es ist auch, glaube ich, niemand waehrenddessen eingeschlafen. Am Ende gab es dann noch ein paar fiese Fragen - offenbar habe ich einen kleinen Fehler in der Praesentation gehabt und insgesamt ist den Experten natuerlich aufgefallen, dass einige Methoden noch relativ simpel waren (insbesondere die Klassifizierung der Objekte).
Am Ende habe ich dann in den Gespraechen mit einzelnen Teilnehmern aber gute Kritiken bekommen nur mein Professor war etwas unzufrieden, da er gerne etwas besser ueber meine Methoden Bescheid gewusst haette - in meinen Augen war das in dem Stress vor dem Vortrag aber kaum machbar. Daher macht mir diese Kritik im Augenblick nicht wirklich was aus.

Nach dem ganzen Stress bin ich dann mit Ying in Osaka ins "Spa World" gegangen - so eine Art Riesen-Onsen. Wir waren im "Europa"-Bereich, wo jeder Raum nach einem bestimmten Land gestaltet war (Deutschland gabs allerdings nicht, dafuer Atlantis...) und wir haben in etwa 10 verschiedenen Becken gebadet. Wie immer natuerlich nackt, in dem Fall war aber logischerweise der komplette Bereich nur fuer Frauen geoeffnet.
Es gab ein Becken mit echt heissem Wasser, das mit Kraeutern behandelt wurde und in einem Becken roch das Wasser nach Milch und Honig. Da fuehlt man sich irgendwie gleich wie eine Prinzessin. :-)
Im "Skandinavien"-Raum waren wir dann in einer Sauna, die von aussen aussah wie eine Holzhuette irgendwo im tiefsten Wald - nur die Baeume sahen extrem unecht aus.
Leider durfte man keine Kameras mit reinnehmen und daher gibt's nur ein Foto vom Abendessen nach dem Bad in der Wellnessoase:
Original Okonomiyaki (links) und italienische Pasta (rechts) (photo by Ying Chen)

Abends bin ich dann echt mega muede ins Bett gefallen und habe super gut geschlafen - obwohl ich immernoch Probleme mit der Klimaanlage habe. Bisher bin ich davon noch nicht krank geworden, aber gut fuehle ich mich nicht dabei. 

Montag, 8. Juli 2013

Osaka, Osaka!

Tja jetzt kommen wir zu dem Grund warum ich in den letzten Wochen keine grossen Berichte mehr posten konnte - eine Forschungskonferenz in Osaka. Urspruenglich wollte mein Professor da mit zwei seiner Post-docs da hin. Allerdings ist einer der beiden nach Vietnam zurueck gekehrt und dadurch war der Platz bei der Konferenz frei geworden. Allerdings muss man solche Vortraege auf internationalen Konferenzen in der Regel relativ lange vorbereiten - also zumindest die Forschung dazu. In meinem Fall habe ich meine ersten zwei Monate hier nur damit verbracht ein wissenschaftliches Paper im Bereich der Bioinformatik zu schreiben - was inhaltlich nicht wirklich zu meinem Lab fuer medizinische/biologische Bildanalyse passt. Natuerlich gibt es genug Moeglichkeiten das im Bezug zu meiner Masterarbeit zu rechtfertigen - immerhin ist es ein fuer ein rennomiertes wissenschaftliches Journal - trotzdem ist es nichts, was man auf so einer Konferenz vorstellen koennte.
Am Tag vor meinem Geburtstag bin ich ja mit meinem Professor nach Fukushima city gefahren und auf der Fahrt hat mein Professor spontan beschlossen mich auf die Konferenz mitzunehmen und mir damit ein wahnsinniges Pensum auferlegt. Immerhin hatte ich ja noch gar nichts, was ich vorstellen koennte und eigentlich auch keine Vorkenntnisse in dem Bereich - bis zur Konferenz waren es da noch 3 Wochen.
Also habe ich im Eilverfahren ein Programm geschrieben, um bestimmte Dinge (Zellorganellen) auf mikroskopischen Aufnahmen von Zellen zu erkennen. Dabei habe ich bekannte Verfahren verwendet und versucht diese auf eine moeglichst sinnvolle und neue Art zu kombinieren. Am Ende hatte ich sogar relativ gute Ergebnisse (allerdings nur fuer ein einzelnes Bild - das war alles, was ich zu dem Zeitpunkt zur Verfuegung hatte).
Insgesamt war das nicht nur sehr viel Arbeit (und viele Nachtschichten im Buero) sondern es war auch kein gutes Gefuehl so wenig Zeit fuer den ersten Vortrag bei so einer Konferenz zu haben. Ich haette mir da gern mehr Zeit genommen - so war es wirklich sehr schwer das notwendige Selbstvertrauen aufzubringen sich mit quasi nichts vor eine Menge an internationalen Forschern zu stellen.
Nach den 3 Wochen voller Selbstzweifel und harter Arbeit bin ich dann einen Tag vor der Konferenz mit Ying in den Zug nach Osaka gestiegen und ich war erstaunlich ruhig.
Ich muss an dieser Stelle jetzt nochmal die japanischen Zuege loben - die waren bisher immer alle perfekt puenktlich, sauber und man hat eine ungewohnt grosse Beinfreiheit. Im Zug konnte man sich dann ein super tolles Bento kaufen - viel besser als in jedem deutschen Zug.

Mittagessen im Zug - superlecker!!
In Osaka sind wir dann nach etwa 6 Stunden angekommen - bei der langen Distanz allerdings eine gute Zeit, mit dem Auto haette man wahrscheinlich wesentlich laenger gebraucht (auch mit jedem Bus).
Mit Ying habe ich dann im Hotel eingecheckt und wir sind danach los gezogen, um ein Restaurant zu suchen.
Die Hafenstadt Osaka
 Wir haben ein kleines niedliches Restaurant ausgesucht und dort so eine Auswahl an kleinen Huehnchenspiessen ausgewaehlt. Diese Haeppchen-Mentalitaet ist wirklich toll, um in kurzer Zeit eine ganze Bandbreite an Gerichten auszuprobieren. Die japanische Kueche ist echt super :-)
Im Yukata auf in den hoteleigenen Onsen
Wir haben ein Hotel ausgesucht, das einen eigenen Onsen hat. Daher gab es dann im Hotelzimmer auch gleich einen Yukata (so eine Art schlichten Kimono - als Ersatz fuer einen Bademantel) und die lustigen japanischen Badeschlappen.
So ging es dann runter in das Untergeschoss zur heissen Quelle. Diesmal allerdings wie erwartet brav getrennt fuer Frauen und Maenner, denn man musste den Onsen wie immer nackt betreten.
Dort gab es zwei relativ kleine Becken - dafuer war das Wasser umso heisser, ueber 40 Grad! Da haelt man es wirklich nicht lange aus. Trotzdem tut auch so ein kurzes Bad unglaublich gut, danach fuehlte sich meine Haut viel glatter und weicher an :-)

Gegen 10 Uhr sind wir dann auf unsere Zimmer, um ein letztes Mal unsere Presentationen zu checken und frueh schlafen zu gehen fuer die grosse Konferenz am naechsten Tag.

Yamagata - Kirschenfuttern

Wie viele vor mir bin ich dem Eindruck erlegen, dass man in Japan eine totale Unmenge an Kirschen im Sommer haben müsste - immerhin haben Kirschbäume in Japan eine große Bedeutung und im Frühling scheint es, als wäre Japan komplett mit ihnen zugepflastert. Allerdings sind die Bäume mit den weiß-rosa Blüten nur zum Angucken, sie tragen gar keine essbaren Früchte.
Daher gibt es also nur in bestimmten Gegenden in Japan wirklich Kirschbäume und dementsprechend auch Kirschen. Einer der Jungs vom Outdoor-Club hat daher einen Ausflug nach Yamagata organisiert zum Kirschenessen.
Los ging es zwar erst um 9 Uhr morgens aber es war trotzdem hart fuer mich so frueh aufzustehen, da ich am Tag davor bis um 3 Uhr morgens im Buero sass und versucht habe brauchbare Ergebnisse zu produzieren.
Obwohl der Ausflug fuer 10 Leute geplant war, sind an dem Tag nur 5 Leute gekommen - keine wirklich gute Quote aber anscheinend sind viele Studenten im Moment sehr beschaeftigt (keine Ahnung womit xD).
Wir sind etwa 2 Stunden bis nach Yamagata (einer der Nachbar-Praefekturen von Fukushima) bis in ein relativ kleines Dorf zu einer Art Bauernhof gefahren. Dort gab es dann einen abgeschirmten Bereich mit Kirschbaeumen, wo man fuer etwa 10 Euro so viele Kirschen essen konnte wie man wollte. (Allerdings durfte man keine Taschen oder Rucksaecke mit rein nehmen.)
Die Kirschen waren lecker aber noch nicht wirklich suess - die Jungs haben dann Kirschkernweitspucken gemacht und waren sichtlich peinlich beruehrt als ich sie dabei gesehen habe. Offensichtlich etwas, was man Maedchen/Frauen in Japan nicht zutraut. (Es waren ausser mir da nur 4 japanische Kerle dabei, weshalb ich die ganze Sache nicht so krass fand aber naja)
Da das Kirschenessen nicht wirklich lange gedauert hat, haben wir uns noch einen relativ grossen Tempel in der Naehe angeguckt.
Am Tempel mit den Jungs im Outdoor-Club
Irgendwie war der Tempel nichts wirklich besonderes aber um den Tempel herum gab es aussergewoehnlich viele Statuen und Gedenksteine. Teilweise konnte ich aber nicht herauslesen worum es bei den einzelnen Texten genau ging aber die Japaner haben das glaub auch nicht wirklich gewusst.
Der Tempel

Gedenkstein fuer X (Einfach zu viel text....)

Die Jungs hatten sichtlich viel Spass dabei fuer die Kamera zu posieren und daher wurde auch der Ausflug noch richtig witzig.

Statue und meine 3 Supermodels




























Auf dem Heimweg haben wir dann noch an so einem kleinen, traditionell japanischen Restaurant angehalten, um eine der lokalen Varianten der "Nudelsuppe" zu probieren. Absolut lecker!!




Freitag, 21. Juni 2013

Geburtstagsparty, Aizu Tour und Daycamp

Mitte Juni war mal wieder richtig viel los - vor allem wegen meinem Geburtstag aber auch wegen der Forschung - mein Betreuer hat mir einen echt gewaltigen Berg an Arbeit gegeben.
Trotzdem habe ich es geschafft meine Geburtstagsparty halbwegs gut zu organisieren und viele meiner Freunde einzuladen. Die Mädels von der WG haben für alle Okonomiyaki zubereitet - eine Spezialität, die eigentlich aus Osaka kommt. Das war wie immer mega lecker und auch meinen Gästen hat es sichtlich geschmeckt.

meine Freunde haben für meine Geburtstagsparty Okonomiyaki zubereitet
Aber natürlich durfte die Geburtstagstorte auch nicht fehlen - gebacken von der WG-"Mama" Minami. Die sah nicht nur toll aus sondern hat auch richtig lecker geschmeckt, kaum zu glauben, was sie mit dem winzigen Backofen hier gezaubert hat.
Ich (jaaa... das ist ein Dirndl ;D) mit "Mama", die mir einen mega geilen Kuchen gebacken hat
Samt dem Kuchen haben wir dann noch ein Gruppenfoto von allen gemacht. Ich bin wirklich froh, dass ich nach kurzer Zeit schon so viele wertvolle Freunde gefunden habe.
Alle zusammen (mit Kuchen natürlich) - ich hab echt tolle Freunde in Japan gefunden :-)
Am nächsten Tag habe ich dann wieder Hataka-san getroffen. Ich weiß nicht wer sich erinnert aber ich habe in Tokyo in meiner ersten Woche in Japan in Yanaka eine Gruppe lustiger japanischer Senioren getroffen. Unter anderem Hataka-san, die mir damals ihre Email-Adresse gegeben hat. Da Aizu im Moment relativ populär bei japanischen Touristen ist, hat sie mit einigen Freunden beschlossen nach Aizu-Wakamatsu für ein Wochenende zu kommen. 
Wie man mir dann erklärt hat kennt sich diese Gruppe schon seit 10 Jahren, obwohl sie in unterschiedlichen Teilen von Japan leben und kennen gelernt haben sie sich zufällig in der Schweiz bei einem Urlaub und jetzt gehen sie gemeinsam jedes Jahr auf eine kleine Reise. Total niedlich :-)
Sake Verkostung in Aizu am nächsten Tag und Führung durch eine traditionelle Brauerei
Nachdem ich mich am Bahnhof der Gruppe angeschlossen habe, haben wir eine traditionelle Brauerei besucht und dort eine Verkostung und Führung über das Betriebsgelände bekommen. Irgendwie ist das schon relativ ähnlich zur Bier und Weinherstellung in Deutschland, nur dass es hier noch wesentlich mehr Kleinbetriebe zu geben scheint. Wie übrigens es hier auch noch viel mehr kleine Bauernhöfe zu geben scheint - sehr angenehm wie ich empfinde.
Und nochmal zum schönen Schloss von Aizu
Natürlich mussten wir uns dann auch das Schloss angucken - immerhin ist es das Wahrzeichen von Aizu und der Stolz der japanischen Samurai lebt immernoch in diesen Gemäuern.
Ich war mit einer Gruppe japanischer Rentner unterwegs - die Menschen hier sind echt die besten :-)
Hier nochmal ein Gruppenbild mit Hataka-san in der Mitte und den coolen Samurai-Typen :-) Wir sind dieses Mal dann auch in das Schloss rein gegangen und haben die Ausstellung über die Geschichte der Stadt angeschaut - allerdings ist das schwierig, wenn man die ganzen Kanji nicht lesen kann, weil leider alles komplett nur auf Japanisch ist. Aber zum Glück war ja meine "japanische Omi" da und hat mir einiges erklären können. 
Insgesamt  war das ein echt toller Tag und ich bin jedes Mal wieder total gerührt, wenn ich so viele niedliche kleine Geschenke bekomme und man selbstverständlich alle Eintrittsgelder für mich bezahlt hat. 

Zum Abschluss des Wochenendes ging es dann mit dem Outdoor-club zum Inawashiro see zum Grillen. Der See ist wirklich genial und bei dem Wetter waren wir dann auch gegen Nachmittag schwimmen. Das Wasser dort ist kristallklar - immerhin ist es ein natürlicher Bergsee und angenehm kühl. Die japanischen Mädchen haben sich nicht getraut schwimmen zu gehen - insgesamt scheinen die meisten Japaner auch gar keine Badesachen zu haben.
Tagesausflug an den Inawashiro-See mit dem Outdoor-Club
Das Essen hat wie immer super geschmeckt auch wenn es eine Herausforderung ist sich die Häppchen  mit Stäbchen vom Grill zu nehmen ohne das die Hälfte runter fällt xD Aber zu meiner Beruhigung haben es auch die geübten Japaner nicht alle perfekt hinbekommen.
Japanisch grillen - mit Stäbchen natürlich ;D
Wie immer war ich froh über die Abwechslung von der Forschung. Nach dem Ausflug bin ich dann zurück in mein Büro, um bis tief in die Nacht an meinem Programm zu schrauben. Trotzdem bin ich wirklich glücklich in Japan. 

Dienstag, 11. Juni 2013

Forschungs-Kurztrip nach Fukushima-city

Bevor ich etwas über meinen Kurztrip nach Fukushima-city erzähle hier erstmal noch ein paar Impressionen von Sonntag abend:
Da war ich zur rechten Zeit auf dem Weg zu einem Supermarkt, um diese tollen Eindrücke zu sammeln - da muss ich echt sagen, dass ich echt kein Meer brauche, wenn ich solche tollen Berge, um mich herum habe :-)
mit traditionellem japanischen Haus (und Ampel...)
Montags sollte es dann los gehen nach Fukushima-city für einen Vortrag von meinem Professor, da der Vortrag so spät abends war (die Ärzte haben ja keine Zeit sonst) hat die Uni für mich die Übernachtung im Hotel übernommen (und sonst auch die Reisekosten und so).
Mein Professor und ich sind dann schon Mittags in Aizu aufgebrochen und mit einem Bus direkt bis nach Fukushima-city gefahren - das hat etwa 1,5 Stunden gedauert - obwohl wir über die Autobahn gefahren sind.
Da haben wir dann erstmal im Hotel eingecheckt und haben unsere Sachen aufs Zimmer gebracht. Die Gastuni (Fukushima Medical University) hat da echt ein ganz nettes Hotel für uns ausgesucht.
nettes Zimmer im Hotel
Nach einem kurzen Mittagessen ging es dann weiter, mit einem Stadtbus, zum Universitätskrankenhaus von Fukushima-city. Da wir dann etwa eine Stunde zu früh am Krankenhaus waren, haben wir uns noch ein Getränk im Cafe gegönnt und haben dann unseren Weg zu dem Seminarraum gesucht.
Zwei sehr hilfsbereite Ärzte haben uns dann bis zum Eingang vom Raum gebracht und mein Professor konnte seinen Vortrag rechtzeitig beginnen. Es ging in dem Vortrag nur um seine bisherige Forschung (die sehr vielfältig ist) aber sich in der Regel immer mit Biologie oder Medizin als Anwendung zusammenfassen lässt.
Der Vortrag selbst war aber eher nebensächlich, meine Hauptaufgabe war es einen guten Eindruck zu machen und den Ärzten zu vermitteln, dass wir das Wissen haben deren Probleme zu lösen (zumindest im unserem Forschungsbereich).
Mein Professor hat mit seinem Vortrag aber natürlich die Hauptarbeit geleistet und bei einer Besprechung konnte ich heraushören, dass meine Forschungsgruppe wohl stärker mit den Ärzten von dieser Universität zusammenarbeiten wird.
Aussicht von dem Hotelzimmer aus
Aber noch wichtiger war dann noch das Geschäftsessen nach dem Vortrag - zu dem ich höflicherweise auch mitgenommen wurde - eigentlich ein ziemliches Wagnis. Die Gesellschaft in Japan ist stark hierarchisch geprägt, normalerweise würden Studenten nicht zu so einem wichtigen Essen mitgenommen werden. Als hübsche Ausländerin konnte ich aber gerade noch toleriert werden und so saß ich kurz darauf in einem relativ guten japanischen Sushi-Restaurant mit vier relativ ranghohen Ärzten und meinem Professor.
Es war dann auch eine echte Challenge - immerhin musste man auf Knien sitzen (ich auch noch mit Rock) und relativ schwierige Häppchen mit Stäbchen essen - allerdings konnte ich das nach dem vielen Üben ziemlich gut meistern. Auch hier konnte ich wieder meinen Joker rausholen und mit meinen 4 Sprachen (und vor allem meinem Japanisch) bei den Ärzten punkten.
Ansonsten habe ich mich aufs Essen konzentriert und versucht nur hin und wieder ein paar höfliche Sätze zu dem Gespräch beizutragen. Ich hingegen war im ersten Moment überrascht vom relativ hohen Englisch-Niveau der Ärzte aber im Laufe des Abends habe ich dann mitbekommen, dass viele von ihnen längere Zeit in Amerika gelebt haben.
Während des Essens (das etwa 2 Stunden gedauert hat) gab es Bier und Sake. Man hat uns erzählt, dass wir an dem Abend einen der besten Sake von der ganzen Region probiert haben und ich muss ehrlich sagen, dass ich den Sake in Deutschland nicht so gern mochte. Allerdings ist der Sake in Japan sehr viel klarer im Geschmack und eher süßlich, statt der leichten bitteren Note, die man in Deutschland sonst hat.

Das Essen war dann so gegen 22 Uhr vorbei - die Ärzte wollten schlafen gehen. Ich hab nur einen Abend mit ihnen verbracht und trotzdem ist mir mal wieder klar geworden, dass ich nur ungern mit ihnen tauschen würde, auch wenn ich Medizin und Biologie total spannend finde - aber die Arbeitsbedingungen müssen echt hart sein.
Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel bin ich mit meinem Professor dann weiter gezogen zu einem relativ rustikalen Restaurant, um da quasi so ein Geburtstags-dinner zu haben. Da wir aber schon vorher recht viel gegessen haben, haben wir nur etwas gebratenes Geflügelfleisch und überbackene Tomaten bestellt. Oh... und eine ganze Flasche supersüßen Rosé. (Am Ende war ich auch echt wieder gut angetrunken nach dem Bier und dem Sake im Restaurant davor.)
Professor Pham und eine angetrunkene Isa ;D
Die Bedienung war typisch Japanisch auch wieder unglaublich freundlich und hat mit Händen und Füßen versucht mit uns zu kommunizieren - das war wirklich super nett.
Am Ende haben wir zum Nachtisch auch noch quasi einen Gruß aus der Küche bekommen:
Ich weiß nicht so genau woher die Bedienung in einem Restaurant in einer anderen Stadt davon weiß, aber meine Universität in Aizu feiert dieses Jahr ihr 20-jähriges Bestehen - und meine Uni ist mit etwa tausend Studenten auch nicht mal wirklich groß. (Essen konnte man bei dem Nachtisch übrigens nur die beiden kleinen, gelben Gelee-Klösschen. )
Man hat uns dann auch noch so eine Art VIP-Karten für das Restaurant gegeben, damit wir das nächste Mal Rabatt bekommen, wenn wir hingehen. (und da eine Zusammenarbeit mit der Fukushima Medical University nicht unwahrscheinlich ist, könnte das tatsächlich auch in nährer Zukunft tatsächlich passieren, dass wir wieder in das Restaurant gehen ;D)
Als wir dann das Restaurant verlassen wollten, kam die Bedienung dann noch mit zum Ausgang und hat uns noch ein letztes kleines Geschenk mitgegeben - ein kleines Schälchen mit Paste für Misosuppe.

Mein Professor hat mir an dem Tag dann auch erzählt, dass sich viele Leute wundern, wieso ein Top-Forscher aus Australien an so eine kleine Uni mitten im Nirgendwo kommt. Aber es sind genau diese Menschen hier in Fukushima - diese unglaubliche Freundlichkeit und Herzlichkeit sobald sie ihre Scheu überwunden haben.

In der Nacht habe ich aber nicht so gut geschlafen - es war relativ heiss (und ich habe etwas Zeit gebraucht mich zu überwinden die Klimaanlage anzumachen aber das Fenster liess sich nicht öffnen) aber am nächsten Morgen war ich trotzdem relativ frisch und ich habe die Gelegenheit genutzt, um ein Bad zu nehmen, weil wir im Wohnheim ja nur Duschen haben.
Freundlicherweise war dann sogar das Frühstück im Hotel von der Uni bezahlt und ich habe mir ein (halbwegs originales) europäisches Frühstück gegönnt. Beim Frühstück habe ich mit meinem Professor dann über die Zukunft gesprochen und er scheint bisher wirklich zufrieden mit meiner Arbeit zu sein.
Eigentlich war mein ganz ursprünglicher Plan ja nur ein Urlaub in Japan gewesen, der wurde dann auf ein Semester in Japan ausgeweitet und mit meiner Bewerbung in Aizu dann auf den kompletten Master. Kaum war ich dann hier wurden meine Pläne dann auf den Master+PhD ausgeweitet.
Jetzt hat mir mein Professor eröffnet, dass ich so lange in seinem Lab bleiben kann, wie ich möchte (also auch als Postdoc und später als Assistenz-Professor). Man muss dazu sagen, dass er das System in Deutschland kennt, wo wissenschaftliche Mitarbeiter in der Regel alle 2 bis 3 Jahre die Uni wechseln müssen. Es ist schon beruhigend zu wissen, dass ich theoretisch so lange bleiben kann wie ich will.
Beim am Abend davor Abendessen hat er er mir auch empfohlen, dass ich doch einen Japaner heiraten soll ;D Mal sehen ...

Nach dem Frühstück bin ich dann mit dem Bus zurück nach Aizu gefahren und mein Professor mit dem Zug weiter nach Tokio zu einem Treffen mit einem anderen strategischen Partner von unserer Forschungsgruppe.

Nomikai - Trinkparty vom Outdoor club

Dieses Woche war hauptsächlich von Arbeit für mein Paper geprägt und ich habe viele abende im Büro verbracht. Am Freitag war ich dann wirklich ziemlich erschöpft und nach meiner letzten Vorlesung für dieses Semester bin ich dann gegen Nachmittag zurück ins Wohnheim gegangen und habe ein kleines Nickerchen gemacht.
Gegen 18 Uhr bin ich dann los zu einer Party vom Outdoor Club. Und diesmal bedeutet Party auch mal eine richtige Fete - nicht nur brav japanisches Essen futtern sondern auch ordentlich trinken. Zu Fuß sind wir dann in Richtung Bahnhof gelaufen und sind da in eine typische Japanische Gaststätte gegangen... da muss man auch am Eingang die Schuhe ausziehen und in einem Schliessfach aufbewahren.
Da wir insgesamt etwa 33 Leute waren, haben wir im Restaurant einen eigenen Raum bekommen, mit diesen niedlichen niedrigen Tischen und den Kisselchen auf dem Boden.
Die Sitzplätze wurden ausgelost (per Essstäbchen mit Nummern drauf.... was würde man auch sonst in Japan machen) und ich war an einem Tisch nur mit Erstsemestern, die ich alle nicht wirklich kannte. Auf den größeren Ausflügen habe ich bisher quasi nur den Kern von etwa 10 Mitgliedern kennen gelernt.
Wie immer hat man mich freundlich ignoriert, bis ich klar machen konnte, dass ich sehr wohl ganze Teile der Gespräche verstehen kann - dann wurde ich auch regelmässig wenigstens etwas in die Gespräche eingebunden.
Die Japaner sind jedes Mal wieder überrascht, wenn sie mitkriegen, dass ich sehr wohl Japanisch verstehen kann (unter bestimmten Bedinungen). Relativ bald fingen wir dann an zu essen und es gab Malzbier für alle.
Bei der Eröffnungsrede wurde dann (unter anderem) mitgeteilt, dass bei dieser Party keine Rangunterschiede geben soll - also kein übliches Senpai-Gefasel. Irgendwie auch sehr entspannend als Ausländer, weil ich manchmal auch nicht mitkriege wer welchen Rang hat.
Es wurden nach und nach immer mehr Häppchen serviert (auch wieder Hambagu - merkwürdige Fleischklösse, die angeblich wie Hamburger sein sollen) und jeder Tisch hatte in der Mitte einen Topf (auf einem Mini-Herd)  mit Gemüse und Fleisch drin, was man dann in Eigenregie zubereiten durfte.
Währenddessen wurden dann die ersten Alkoholbestellungen aufgegeben und es gab eine relativ vielfältige Getränkeauswahl (zumindest für Japanische Gaststätten). Da haben sich die Japaner auch nicht zurück gehalten und gleich von Anfang an ordentlich hochprozentiges bestellt - was allerdings auch daran lag, dass jeder einen Festpreis von etwa 30 Euro gezahlt hat und da waren dann Essen und Alkohol inclusive.
Irgendwann war ich dann satt und die ersten Japaner richtig betrunken. Da haben wir dann noch ein cooles Gruppenfoto gemacht.
Party in Japan! (Challenge: findet mich auf dem Bild - und ja, ich bin drauf ;D)
 Ich glaube man sieht an dem Gruppenfoto auch, dass das so richtig witzig war und ich bin froh, dass ich mir die Zeit für den Spaß genommen habe.
Dann haben wir noch die üblichen "Japaner+Alien"-Fotos gemacht, es will ja auch jeder ein nettes Foto von sich mit der Ausländerin haben... ;D
Da fühlt man sich wie ein Superstar ;D
Gegen 9 Uhr mussten wir dann den Raum räumen und es wurden 3 Gruppen gebildet: Karaoke, Bowling und Kneipentour. Irgendwie habe ich mich zur Kneipentour überreden lassen (immerhin bin ich ja die angeblich trinkfeste Deutsche...)
Also sind wir dann bis um halb 1 in so ner Kneipe versackt und ich konnte die Zeit nutzen bisschen auf Japanisch zu reden. Gegen 2 Uhr war ich dann zurück im Wohnheim und ich hatte echt das Gefühl, dass ich in Deutschland vielleicht 2 mal bisher so betrunken war und in Japan war das dann schon das zweite Mal in 2 Wochen (Shine-party eingerechnet). In Japan betrinkt man sich irgendwie auch doller - weil partys so selten sind und es wäre ja voll die Verschwendung wenn man das dann nicht nutzen würde ;D
Mein Fazit: Nomikai ("Trink Zusammenkunft") ist absolut empfehlenswert - man sollte aber keine Pläne für den nächsten Morgen haben :D